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Sport-Kommentar : Mehr Probleme als Doping allein

Die gesperrte kenianische Olympiasiegerin Jemima Sumgong. Bild: Picture-Alliance

Kleinkriminelle führen sich auf, wie sie sich Doping-Kontrolleure vorstellen, und treffen auf Athleten, die lieber zahlen, als eine Doping-Kontrolle zu riskieren – warum wohl?

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          Ja, was mögen die Burschen wohl im Schilde geführt haben, als sie sich als Doping-Kontrolleure ausgaben? In Kenia. Bei einer russischen Trainingsgruppe. Er habe verlässliche Informationen, teilt der Geschäftsführer der kenianischen Anti-Doping-Agentur mit, Japhter K. Rugut, dass Personen den Vorwand, Proben zu nehmen, für etwas benutzten, das noch herauszufinden sei. Mal im Ernst: Richtig schwierig dürften die Nachforschungen nicht sein. Das liegt nicht nur daran, dass die Polizei von Eldoret die drei Hochstapler gefasst hat, die der Trainingsgruppe um Mittelstreckenläuferin Ksenia Savina Urinproben abpressten, obwohl sie nicht mehr als das Foto eines Ausweises auf dem Handy vorweisen konnten.

          Zur Erinnerung: Rita Jeptoo, mehrmals Gewinnerin der Marathons von Boston und Chicago, sowie Jemima Sumgong, Olympiasiegerin von Rio und Gewinnerin des London-Marathons, sind die prominentesten all jener kenianischen Athleten, die wegen Dopings gesperrt sind. Den Verdacht, dass noch viel mehr aus dem Verkehr gezogen gehörten, bestärkten erst Michael Rotich vom Leichtathletik-Verband im Olympia-Jahr, indem er einem Fernsehreporter, den er für einen Athleten-Manager hielt, vor laufender Kamera anbot, ihn für 10.000 Dollar vor Doping-Kontrollen zu warnen; und Trainer John Anzrah, der aufflog, als er sich im Olympischen Dorf von Rio für einen Athleten des Teams Kenia ausgab und für diesen eine Doping-Probe gab.

          Probates Mittel, zu Ruhm und Reichtum zu kommen

          Praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche Kenias sind von Korruption befallen. Langlauf ist ein probates Mittel, zu Ruhm und Reichtum zu kommen. Die Kleinstadt Iten, östlich von Eldoret gelegen, produziert praktisch Champions. Hunderte Läuferinnen und Läufer aus Kenia und Europa trainieren dort in 2400 Meter Höhe. Neben Camps und Hotels, Trainern, Managern und Physiotherapeuten hat sich dort eine Infrastruktur zur Leistungssteigerung mit Pille und Spritze etabliert – mit allen Risiken in diesem Land, das von gefälschten Medikamenten überflutet wird. Wer dort Kontrollen, Kontrolleure oder positive Resultate verschwinden lässt, wird reich belohnt. Und wo es echte Korruption gibt, entwickelt sich auch „fake corruption“: Kleinkriminelle führen sich auf, wie sie sich Doping-Kontrolleure vorstellen, und treffen auf Athleten, die lieber zahlen, als eine Doping-Kontrolle zu riskieren – warum wohl?

          Das Ausmaß des Dopings, das diese Trittbrettfahrerei nahelegt, erscheint alarmierend. Erstaunlich allerdings ist darüber hinaus das Verhalten der Athleten aus Russland, die sofort bemerkt haben dürften, dass den angeblichen Kontrolleuren jede Professionalität abging. Von fehlenden Ausweispapieren bis zum Schütteln der Proben wie an der Cocktailbar ließen sie alles durchgehen. Sie fürchteten, dass der Rauswurf der Burschen zu ihrer Sperre führen könnte – einer weiteren, denn ihr Verband ist, wegen Dopings, von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Doping-Bekämpfung hat ganz offenbar mehr Probleme als allein Doping.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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