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Doping-Kommentar : Ein Prosit auf Sotschi?

Ob Russland an Olympia 2016 teilnehmen darf, ist unsicherer denn je. Bild: Reuters

Sotschi beweist: Der Sport kann sein Versprechen vom Erfolg der besten und vom Schutz der sauberen Athleten nicht halten. Dabei liegt der Fehler ganz klar im System.

          Die Olympischen Winterspiele von Sotschi 2014 waren eine Farce. Dreizehn Siege und insgesamt 33 Medaillen holten russische Athleten und verliehen damit dem mehr als fünfzig Milliarden Dollar teuren Spektakel, das Präsident Putin an der Schwarzmeerküste und im Kaukasus zum Ruhme Russlands ausrichtete, goldenen Glanz. Nun aber packt der Handlanger des Betrugs aus, der Leiter des Doping-Kontrolllabors: nachts tauschte er mit Hilfe des Geheimdienstes die Proben gedopter russischer Athleten gegen saubere aus.

          Das vielleicht teuerste Lügengebäude der Welt stürzt ein. Und der Weltsport steht in einer schäbigen Kulisse. Hatte nicht die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Experten aus aller Welt ins Labor von Sotschi geschickt? Hatte nicht der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Bach, mit Putin auf diese grandiosen Spiele angestoßen? Nun sind der Weltsport und seine Anführer desavouiert. Und müssen sich fragen: Was ist mit der Leichtathletik-WM, die sechs Monate vorher in Moskau stattfand? Was mit der Schwimm-WM vom Sommer 2015 in Kasan? Sollen die Russen da nicht manipuliert haben?

          Der Sport, das beweist Sotschi, kann sein Versprechen von Fairness und Chancengleichheit, vom Erfolg der besten und vom Schutz der sauberen Athleten nicht halten. Olympia: eine Illusionsmaschine. Alle Welt weiß, zumindest wenn sie sich an das Staatsdoping der DDR erinnert, dass der Fehler im System liegt. Der Sport hat keine unabhängigen Kontrollinstanzen. Betrüger überwachen sich selbst; die schlimmsten Doper saßen auch in Anti-Doping-Kommissionen.

          Gerüchte und üble Nachrede, schimpfen russische Funktionäre und fordern Beweise – wie das IOC. Ausgerechnet diejenigen, die sich in einer Sport-Gerichtsbarkeit eingerichtet haben, die von der Schuldvermutung der Athleten ausgehen, ausgerechnet jene, die verlangen, dass Athleten ihre persönliche Integrität preisgeben, um mit entwürdigenden Tests zu versuchen, ihre Unschuld zu beweisen. Der Sport wird bei den Olympischen Spielen 2016 um seine Glaubwürdigkeit kämpfen müssen. Dabei auf das russische Team zu verzichten, kann nur der Anfang sein.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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