Opfer des DDR-Dopings : Der Sadismus der Sachbearbeiter

Krebs, Fehlgeburt, Depression: Die einstige DDR-Kanutin Kerstin Spiegelberg führt all das auf die Steroide zurück, die sie als ahnungslose Minderjährige bekam. Dafür fordert sie eine Rente, doch die Ämter quälen sie nur.
Wie kaltblütig ihre Trainer sie missbraucht hatten, realisierte Kerstin Spiegelberg erst, als sie längst wusste, dass sie im Sportclub Grünau jahrelang gedopt worden war. Die sogenannten unterstützenden Mittel waren anabole Steroide gewesen, das teilten ihr ein Jahr nach dem Fall der Mauer Brigitte Berendonk und Werner Franke mit; die beiden Experten aus Heidelberg hatten Einblick in ihre Trainingspläne gehabt. Nun aber, als sie 1991 mit dem Berliner Kanu-Verband nach Frankreich reisen wollte, stand sie unerwartet dem Mann gegenüber, der einst in ihr den Traum von Olympia geweckt hatte. Wie sie so sprechen über vergangene Zeiten, da lässt er fallen, dass ihr großes Ziel eine Schimäre war. Sie sei doch lediglich das Zugpferd im Team gewesen, sagt er, nur dabei, um das Talent der Truppe auf Trab zu halten. Von Anfang an sei klar gewesen, dass sie niemals Olympiasiegerin würde.





