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Doping-Kronzeugin Stepanowa : „Doper lassen sich besser vermarkten“

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Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Das Wichtigste war, mit der Dokumentation Aufmerksamkeit zu erregen. Wir hoffen, dass sich nun jemand von der IAAF oder der Wada bei uns meldet, um das gesamte Material anzusehen. Bisher ist das noch nicht geschehen.

Beide Organisationen sagen, sie ermittelten.

Wir scherzen manchmal drüber. Was ermitteln sie bloß? Uns hat noch niemand gebeten, ihnen Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. Was wir selbstverständlich tun würden.

Wann haben Sie aufgehört mit Doping?

2013. Ich war schwanger, unser Sohn wurde im November 2013 geboren. Im Mai 2014 begann ich wieder mit dem Training.

Woher haben Sie die Kaltblütigkeit genommen, Trainer, Arzt und Athleten praktisch beim Doping zu filmen?

Ich war nicht kaltblütig. Jedes Mal, wenn ich mit meinem Telefon etwas aufgenommen habe, war ich nervös. Besonders wenn die Leute auf das Telefon geguckt haben, hatte ich jedes Mal Sorge, dass sie Verdacht schöpfen. Das hätte uns große Probleme bereitet in Russland. Ich bin keine Betrügerin. Ich habe Fehler gemacht, aber für eine gute Zukunft muss ich Opfer bringen. Dies war eines. Ich habe gelernt, James Bond zu sein.

Sind Sie in Gefahr?

Wir sind raus aus Russland. Heute fühlen wir uns sicher. Was in Zukunft ist, weiß ich nicht. Niemand weiß, wie weit diese Geschichte geht. Wenn weitere Athleten sich gegen das Betrugssystem wenden, könnte die Situation dort außer Kontrolle geraten.

Hatten Sie Unterstützung, während Sie in Russland waren?

Die größte Unterstützung war, dass die Wada uns geglaubt hat und dass Hajo Seppelt vom deutschen Fernsehen uns geglaubt hat. Wir wussten, wofür wir das alles tun.

Wenn das Doping-System eine Hierarchie ist: Wie weit hinauf reicht es?

Es liegt auf der Hand, dass es das Ziel eines Landes ist, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen so viele Medaillen wie möglich zu gewinnen. Das Ziel unseres Staates ist es zu beweisen, dass Russland größer und besser ist als jedes andere Land auf der Welt. Auf jedem Gebiet. Der Präsident, das Ministerium, die Anti-Doping-Agentur: alle wissen, dass das oberste Ziel ist, Medaillen zu gewinnen. Wenn Sie die Ergebnisse von den Olympischen Spielen in London sehen und von der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Moskau ...

... Nummer zwei in der Leichtathletik mit acht Olympiasiegen und Nummer eins in Moskau mit sieben Goldmedaillen ...

... dann wissen Sie, dass das System funktioniert. Wenn es erfolgreich ist, warum sollten sie es ändern?

Wenn der Präsident der IAAF Sie um Rat bitten würde: Wie sollte er mit der russischen Leichtathletik umgehen?

Offizielle, die Doping unterstützen, statt es zu bekämpfen, sollten rausfliegen. Da die meisten Trainer aus der Sowjetunion stammen, dürfte es unmöglich sein, ihre Ansichten zu ändern. Wenn man wirklich das Ziel hat, Doping zu bekämpfen, muss man Funktionäre wie Trainer nicht für zwei oder vier Jahre sperren, sondern lebenslang. Das Ministerium müsste junge Trainer aus dem Ausland verpflichten und ihnen Zeit geben, ein System aufzubauen, das ohne Doping funktioniert. Der gesamte Verband sollte für zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Wada jetzt, da Sie Ihre Mission erfüllt und Beweise beigebracht haben, nichts unternimmt?

Die Wada ist ein zahnloser Tiger.

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