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Doping-Kronzeugin Stepanowa : „Doper lassen sich besser vermarkten“

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Anfang 2013 rief Melnikow an, der Nationaltrainer. Wir haben hier ein Papier, sagte er, da steht, dass du gesperrt bist wegen der Werte in deinem Blutpass. Ich sage: Das ist unmöglich. Ich habe genau das getan, was ihr gesagt habt. Und ihr, die ihr mich in die Situation gebracht habt, arbeitet weiter? Ist passiert, sagte er, tut uns leid, unterschreib halt und entspann für zwei Jahre!

Wie hat Portugalow reagiert?

Der Internationale Leichtathletik-Verband hatte vorher schon Unterlagen an den russischen Verband geschickt mit verdächtigen Werten russischer Athleten. 2012 war ich dabei. Portugalow schickte eine SMS: Tut mir leid, ich habe meinen Job gewechselt, ich mache das nicht mehr. Von da an war er für mich nicht mehr erreichbar. Ich habe nur noch mit Melnikow kommuniziert.

Was war mit Ihren Werten?

Wirklich abnorm waren sie Anfang 2011. 2012 gab es die ersten Gerüchte, dass ich gesperrt werden könnte. Aber gesperrt wurde ich erst Anfang 2013. Zwei Jahre lang konnte ich weiter trainieren und weiter Wettkämpfe bestreiten, obwohl sie mit 99,9 Prozent Sicherheit wussten, dass ich gedopt war. Ich bin nicht die Einzige, der es so ergangen ist. Das ganze Kontrollsystem der IAAF macht für mich keinen Sinn.

Was vermuten Sie: Warum reagiert der Weltverband nicht?

Gedopte Athleten laufen schneller. Vielleicht sind schnellere Zeiten besser zu vermarkten.

Sie haben 2009 geheiratet – ausgerechnet einen Mann von der nationalen Anti-Doping-Agentur Rusada. Wie konnte das gutgehen?

Ich hatte gelernt, dass es ohne Doping nicht gehe. Meine Zeiten wurden auch immer besser. Witali arbeitete für die Rusada, er war gegen Doping. Der Wendepunkt, der uns wirklich vereinte, war die Sperre Anfang 2013. Der eine verschwand, der andere sagte, er wisse nicht wirklich, wie der Blutpass funktioniert. Das verletzte mich. Unterschreib halt, sagte Melnikow. Seine Haltung war: Wenn du in zwei Jahren zurückkommst, wird es den Steroid-Pass geben, und wir werden nicht wissen, wie man ihn führt. Es werden wieder eine Menge Athleten gesperrt werden, aber was können wir dafür?

Ihre Konsequenz?

Wir beschlossen, mit der Wada zu reden. Es hatte keinen Sinn, mit Rusada zu sprechen, sie arbeiten alle zusammen. Wir haben E-Mails geschrieben, dann gab es Treffen mit Mitarbeitern.

Hat die Wada Sie ermutigt, weiterzumachen in der Nationalmannschaft, um Beweise zu sichern?

Sie wollten natürlich wissen, wie es funktioniert. Wir haben ihnen die Wahrheit gesagt. Aber das waren nur Worte und keine Beweise. Das Erste, was die Leute von der Wada sagten, war: Sorgt dafür, dass ihr in Sicherheit seid. Doping ist Doping, aber schadet euch nicht selbst. Ich wusste, dass ich beweisen muss, was ich sage.

Sie haben Aufnahmen gemacht von Melnikow und von Portugalow, wie sie Sie beraten und Ihnen Dopingmittel geben. Sie haben die 800-Meter-Olympiasiegerin Marija Sawinowa gefilmt, als sie über ihre Erfahrung mit dem Dopingmittel Oxandrolon spricht.

Das seien alles Lügen, sagt der Präsident des russischen Verbandes, Walentin Balachnitschew. Der Verband will uns verklagen. Aber wir haben Beweise. Viel mehr, als das deutsche Fernsehen zeigen konnte. Man kann ja nicht sechzig Minuten ununterbrochen Beweise zeigen.

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