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Doping-Kronzeugin Stepanowa : „Doper lassen sich besser vermarkten“

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Ich wurde von Sergej Portugalow betreut, dem Kopf der medizinischen Kommission. Er hat große Erfahrung in verschiedenen Sportarten. Deshalb habe ich ihn Professor genannt. Wenn man weiß, wie es geht, muss man nicht so hart trainieren. Auf nationaler Ebene habe ich mich viel mehr verbessert als bei meinem ersten Trainer.

Hatten Sie je Angst um sich und um die Kinder, die Sie sich wünschten?

Man hört immer: Mach dir keine Sorgen, alles ist in Ordnung. Dann macht man sich auch keine Sorgen. Ich dachte, es sei normal, sieben bis zehn Tage harte Muskeln zu haben nach der Einnahme von Steroiden. Ich dachte, das machen alle durch, damit sie sich als Athleten entwickeln. 2006 wurde ich sehr krank, und die Trainer sagten mir damals voraus, dass ich nie wieder würde schnell rennen können. Aber mein Arzt versprach mir, dass ich gesund würde und schneller rennen würde als zuvor. Sie wissen, dass Steroide auch als Medikamente eingesetzt werden. Damals nahm ich sie zum ersten Mal; der Arzt fand, dass sie helfen würden. Ich begann zu trainieren und baute Kraft auf.

Wie alt waren Sie?

Ich habe spät mit dem Sport begonnen, mit siebzehn. Damals war ich fast zweiundzwanzig.

Wie haben Sie von Doping erfahren?

Als ich bei Junioren-Meisterschaften fünfzehn Sekunden langsamer war als die Besten über 800 Meter, haben mir Leute erzählt, dass die Läuferinnen verbotene Substanzen nehmen. Es ist, als ob das System deutlich macht, dass du zu deinem Trainer gehen und nach den Mitteln fragen musst: Hey, ich will bei den Besten sein und nicht hundert Meter hinterherrennen! Es wird einem immer gesagt, dass die eigenen Fähigkeiten nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen. Für den Rest brauchst du Hilfe. Das ist Doping.

Haben Sie Wachstumshormon genommen?

Als ich noch regional trainierte, wusste mein Trainer nicht, wie man es einsetzt. Außerdem kosten die Substanzen viel Geld. 2008 haben wir eine Woche lang Wachstumshormon ausprobiert. Aber weil der Trainer nicht wusste, wie man’s macht, haben wir keine Wirkung gesehen. Seitdem habe ich keines mehr genommen. In der Nationalmannschaft wurde das positiv gesehen. Trainer und Offizielle betrachteten das als Potential für meine Entwicklung.

Es ist verbreitet?

In Russland sagt man, Wachstumshormon sei praktisch nicht nachweisbar. Man könne es nur einen Tag lang feststellen. Ich habe ein Gespräch aufgenommen, in dem Athleten sagen, um Wirkung zu erzielen, musst du Wachstumshormon drei bis vier Monate lang anwenden.

450 000 Euro an die Funktionäre: Lilija Schobuchowa (Foto: Beim Sieg des London-Marathons 2010)

Wann hat sich Ihre Haltung verändert?

Wenn man hört, dieses System existiere auf der ganzen Welt, glaubt man, dass man mitmachen muss. Als ich Portugalow darauf ansprach, sagte er, wenn du tust, was ich sage, wirst du nie erwischt werden. Ich fragte, warum Leute in Russland und anderen Ländern gesperrt werden, und er antwortete, dass diese Leute wohl unprofessionell handelten; auf eigene Faust und nicht innerhalb des Systems ihres Landes.

Er hat Sie trotzdem nicht geschützt?

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