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Jan Ullrich : Mann ohne Mumm

  • -Aktualisiert am

Keine ernsthaften Worte: Ullrich agiert mutlos Bild: REUTERS

Der Internationale Sportgerichtshof hat Jan Ullrich wegen seiner Kontakte zum Blutpanscher Fuentes verurteilt. Doch der Deutsche verpasst wieder die Chance, in seiner Vergangenheit aufzuräumen. Er ist schlecht beraten.

          3 Min.

          Ja, ich habe gedopt! Diesen Satz, diese vier Worte, hatte man sich von Jan Ullrich erhofft, nachdem der Internationale Sportgerichtshof Cas ihn am Donnerstag wegen seiner Kontakte zum spanischen Arzt Fuentes als Betrüger und Blutdoper verurteilt und mit einer Sperre von zwei Jahren belegt hatte, einer Sperre, die 2011 beginnt, vier Jahre nach Ullrichs Karriereende. Absurd nicht nur dies.

          Aber Ullrich hat die vier Worte, das Unaussprechliche, nicht über die Lippen gebracht und damit seine vielleicht letzte Chance vertan, einen Schnitt zu machen und aufzuräumen in seiner Vergangenheit, die erst ein einziger Triumphzug war bis hin zum Sieg bei der Tour de France 1997 und dann ein teils lächerliches, teils tragisches Versteckspiel in seinem Schweizer Exil am Bodensee.

          Auf der Flucht: Jan Ullrich
          Auf der Flucht: Jan Ullrich : Bild: AFP

          Um Ullrichs Statement vom Freitag zu formulieren, hatten er, seine Berater und Anwälte im Prinzip viele Jahre Zeit. Man muss sich die zentralen Sätze einmal genau anschauen, um sich ihre ganze Dürftigkeit vor Augen zu führen.

          "Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen - es tut mir sehr leid."

          Was sich liest, als hätten die Eltern ihrem Fünftklässler einen Entschuldigungsbrief für die Klassenlehrerin geschrieben, passt ins Bild, das Ullrich seit Jahren abgibt. Es tut ihm leid. Was? Dass er Kontakt zu Fuentes hatte. Doping? Kein Wort dazu. Kein Wort zu Blutaustausch, zu Wachstumshormon, zu Epo, kein Eingeständnis, kein Dementi, nichts.

          Schon die Richter am Cas hatten sich verwundert gezeigt über Ullrichs Strategie der inhaltlichen Nicht-Verteidigung. Seine Anwälte hätten nur formale Hintertürchen gesucht, in der Sache aber nichts vorgebracht.

          Die Frage ist: Warum bringt es Ullrich nicht fertig zu sagen, was jeder, der die Fakten kennt, weiß, und was der Cas nun offiziell bestätigt hat, dass Ullrich beim Blutpanscher Fuentes, wie viele andere Sportler auch, vorstellig wurde, um Eigenblutdoping vornehmen zu lassen und dafür mindestens 80.000 Euro bezahlte.

          2008 gab es die Gelegenheit

          War Ullrich schlecht beraten, ist Ullrich schlecht beraten? Das ganz gewiss. In Ullrichs Erklärung vom Freitag findet sich, ganz unfreiwillig, eine entlarvende Passage.

          "Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen."

          Damals, 2006, erzählen Insider, sei alles vorbereitet gewesen für Ullrichs Outing im Fernsehen, er sei tatsächlich dazu bereit gewesen, doch dann hätte ihn seine Entourage wieder umgedreht. Über Jahre hinweg haben seine Einflüsterer, Berater und Anwälte ihm dann eine Taktik vorgegeben, die ihn in die Isolation trieb, es gab nur ein einziges plumpes Konzept, nur einen einzigen dreisten Satz: "Ich habe niemanden betrogen!" Das ließen sie Ullrich immer und wieder sagen: "Ich habe niemanden betrogen!" Übersetzt hieß es: Ja, ich habe gedopt, aber die anderen auch, und deshalb habe ich niemanden betrogen.

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