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Jamaikanische Doping-Fälle : Heikle Partnerschaft, ominöser Kanadier

Gemeinsames Feiern: Usain Bolt (l.) und Asafa Powell 2008 in Peking Bild: AP

Der Doping-Skandal und die Folgen: Der Sportartikelhersteller Puma hält Jamaika einstweilen die Treue. Asafa Powells Umfeld macht Konditionstrainer Xuereb für die positive Probe verantwortlich.

          3 Min.

          Die Betriebstemperatur beim Sportartikelhersteller Puma dürfte seit den neuesten spektakulären Doping-Enthüllungen in der Leichtathletik nach oben ausschlagen. Nachdem fünf Top-Athleten aus Jamaika positiv getestet worden sind, gerät auch das in Herzogenaurach beheimatete Unternehmen unter Druck. Zwangsläufig stellen sich Fragen, ist doch Puma seit Jahren enger Förderer des jamaikanischen Leichtathletik-Verbandes. Aber was passiert jetzt? Gibt es Konsequenzen für die heikle Werbepartnerschaft?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christoph Becker

          Auf Anfrage heißt es bei der Firma, dass keiner der Beschuldigten, zu denen der frühere Weltrekordhalter im Sprint, Asafa Powell, sowie die Olympia-Zweite über 100 Meter von Peking 2008, Sherone Simpson, gehören, einen persönlichen Vertrag mit dem Unternehmen habe. Deshalb werde kein Handlungsbedarf gesehen. „Puma verbindet eine langjährige erfolgreiche Partnerschaft mit dem jamaikanischen Leichtathletik-Verband und vertraut auf das Anti-Doping-Kontrollprogramm, das der Verband durchführt mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit und Integrität aller jamaikanischen Athleten und der Leichtathletik in Jamaika insgesamt sicherzustellen“, so die Antwort von Puma. Konkurrent Adidas hatte am Montag den Vertrag mit dem amerikanischen Weltklassesprinter Tyson Gay ausgesetzt, der ebenfalls mit einer positiven Probe aufgefallen war.

          Hat Bolt wirklich nichts mit Doping zu tun?

          Dennoch ist der Doping-Skandal für Puma eine brisante Angelegenheit. Wie viel Vertrauen kann der Sponsor in den Leichtathletik-Verband Jamaikas noch haben? Schon vor der WM 2009 in Berlin waren Sprinter aus Jamaika bei ihren nationalen Meisterschaften positiv getestet worden, unter ihnen Yohan Blake, der nach seiner Sperre 2011 Weltmeister über 100 Meter wurde. Im Mai dieses Jahres wurde der 200-Meter-Weltmeisterin und dreimaligen Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown aus Jamaika der Missbrauch eines Diuretikums nachgewiesen. Nun finden im August in Moskau die Weltmeisterschaften statt. Die Athleten trainieren in Rennställen und Privatgruppen und sind damit schwerer greifbar. Trotzdem trägt der Verband die Verantwortung für seine Kaderathleten. Ist nicht auch für Puma schon genug passiert?

          Sherone Simpson in Peking

          Der Blick richtet sich auf Usain Bolt, den Weltstar und Weltrekordhalter, der anders als die anderen Jamaikaner seit vielen Jahren eng mit Puma verbunden ist und für den Sportartikelhersteller mit seinen Ausnahmeleistungen als die wichtigste globale Werbefigur gilt. Seit er der alles überstrahlende Held der Leichtathletik ist, werden seine Ausnahmeleistungen hinterfragt. Schon mit 15 Jahren erhielt Bolt bei Puma seinen ersten Vertrag, der eingebettet war in die Förderung des gesamten Leichtathletik-Teams Jamaikas. Er soll heute für seine Auftritte sieben bis zehn Millionen Euro im Jahr von dem Sportartikelhersteller erhalten. Wenn Bolt nach einem Rennen bei Weltmeisterschaften oder Olympia seine Schuhe in die Kameras hält, errechnen Experten einen Werbewert von mehreren Hundert Millionen Euro.

          Sauberer Schuh? Usain Bolt gesponsert von Puma

          Aber hat Bolt wirklich nichts mit Doping zu tun? Puma verweist auf sein Jahrhunderttalent, die außergewöhnliche Leistungsstärke des Stars schon in jungen Jahren und sein bisher tadelloses Verhalten. Bolt sei der meist getestete Sportler der Welt, sagt Puma. Doch um ihn herum zerbricht auf Jamaika gerade jegliches Vertrauen. Von den zehn schnellsten Männern über 100 Meter ist der Jamaikaner als Weltrekordhalter der einzige, der eine saubere Doping-Bilanz vorweisen kann.

          Verfahren gegen Powell, Simpson und Xuereb aufgenommen

          Im Lager von Bolts Konkurrenten Powell wird derweil dessen Physiotherapeut Chris Xuereb für die positive Dopingprobe verantwortlich gemacht. Powells Trainer Stephen Francis nannte den Kanadier Xuereb, der seit Mai mit dem Jamaikaner arbeiten soll, gegenüber dem jamaikanischen Radiosender „Hitz92 FM“ einen „Quacksalber, eine Randfigur, die vermutlich mit Asafa gearbeitet“ habe. Die „New York Times“ zitiert aus einer E-Mail, die Xuereb angeblich an Powells Agenten Paul Doyle geschickt habe, nachdem die positiven Proben bekannt geworden seien. Demnach habe Xuereb den Sprinter auch mit Actovegin behandelt, einem Präparat aus Kälberblut, das in Nordamerika nicht zugelassen ist, aber seit Jahrzehnten von Sportärzten angewandt wird, weil es die Regeneration beschleunigen soll. Der kanadische Mediziner Anthony Galea, wie Xuereb aus Toronto, war im Dezember 2011 in New York zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er das Präparat in die Vereinigten Staaten schmuggeln ließ, wo auch Baseball-Star Alex Rodriguez und Golfspieler Tiger Woods zu seinen Kunden gehörten.

          Die britische Zeitung „Telegraph“ zitiert Doyle: „Asafa und Sherone waren die einzigen, die neue Nahrungsergänzungsmittel bekommen haben, von ihrem Physiotherapeuten.“ Deshalb hätten die Athleten, die sich auf einen Wettkampf in Venetien vorbereiteten, die Durchsuchung ihrer Hotelzimmer in Lignano Sabbiadoro durch die italienische Polizei am Sonntagabend veranlasst, nachdem sie vom Testergebnis erfahren hatten. Die Polizei habe anschließend Substanzen aus rund 50 Schachteln zur Untersuchung an ein Labor weitergegeben. Inzwischen hat die Staatsanwalt Udine nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa ein Verfahren gegen Powell, Simpson und Xuereb aufgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, gegen Artikel 9 des italienischen Dopinggesetzes verstoßen zu haben, der den Gebrauch oder die Verteilung verbotener Substanzen unter Strafe stellt.

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