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Der Fall Sun Yang : Ein Schwimmstar als Opas Liebling

Gut unterstützt: Sun Yang darf auf Milde hoffen. Bild: AFP

Nun will der Sportgerichtshof Cas seine Entscheidung im Fall Sun Yang verkünden. Der Chinese genießt in einer unappetitlichen Affäre Sympathien bei den Chefs des Schwimmverbands. Deren Geist prägt das Wesen der Fina.

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          Sie kümmern sich doch um ihre Sportler, die meist älteren, noch öfter männlichen Funktionäre des Sports. An dieser Stelle sei deshalb von Vorbildern die Rede. Von Julio César Maglione, 84 Jahre, aus Montevideo, Uruguay, und Cornel Marculescu, 78 Jahre, aus Bukarest, Rumänien. Präsident des Internationalen Schwimmverbandes Fina der eine, Maglione, seit 2009, Exekutivdirektor derselben ehrenwerten Vereinigung der andere, Marculescu, seit 1986. Angesichts der nicht eben zu vernachlässigenden Einarbeitungszeit in ihrer jeweiligen Position darf die Behauptung erlaubt sein, dass ihr Geist das Wesen dieses Verbandes prägt. Das kommt an bei den Athleten. Also – bei manchen. Mindestens bei einem.

          Oder, wie es der Chinese Sun Yang 2016 in Rio de Janeiro ausdrückte: „Wie ein Großvater“ habe Marculescu ihn angeschaut, als er Sun Yang an seine Brust drückte. Nun, vielleicht nicht wie ein Großvater, aber wie ein Nebenkläger, jedenfalls mit einiger Sympathie für das Rechtsempfinden des Chinesen ist die Fina im vergangenen Jahr tätig geworden. Es geht um die unappetitliche Affäre, in deren Zentrum eine Doping-Kontrolle aus dem September 2018 steht. Sie fasste die Beteiligten emotional an und führte zu einem mit einem Hammer zerstörten Probenröhrchen Sun Yangs. Der Schwimmer wurde von der Fina in der Folge lediglich verwarnt.

          Eine Ermahnung, die bei der Konkurrenz für Unmut sorgte – zu sehen, als der Australier Mack Horton bei den Weltmeisterschaften in Gwangju aus Protest gegen Sun Yangs Sieg über 400 Meter nicht auf das für ihn vorgesehene zweite Treppchen des Siegerpodests trat – und prompt seinerseits von der Fina verwarnt wurde. Horton habe den Sport „in Verruf gebracht“, sagte Marculescu.

          Kreative Rechtsargumentation für Gourmets

          Derweil, so berichtet die Nachrichtenagentur AP, haben Sun Yang und Fina gemeinsame Sache gemacht. Beide wollten erreichen, dass der Einspruch der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada vor dem Sportschiedsgericht Cas gegen den ihrer Ansicht nach zu laxen Umgang des Verbandes mit dem Fall abgewiesen wird. Schließlich sei Richard Young, ein für die Wada tätiger amerikanischer Anwalt, befangen, schließlich war er zuvor Mitglied der Rechtskommission der Fina gewesen. Das ist kreative Rechtsargumentation für Gourmets: Der Interessenkonflikt liegt nicht etwa auf Seiten der Fina, zugleich Richter und Promoter ihres Stars, der mit der Ermahnung davonkommt, auf dass dieser bei ihrer WM, der wichtigsten Veranstaltung der Fina, startet. Nein, der Interessenkonflikt liegt beim Sportjuristen. Ungünstig nur, dass diese Einrede vor dem Cas gewöhnlicherweise so große Erfolgsaussichten hat wie Schnee in der Frühlingssonne am Genfer See. Schließlich wies auch das Schweizer Bundesgericht Sun Yangs Beschwerde Ende Oktober ab.

          Also verhandelte der Cas seinen Fall in einer zehnstündigen öffentlichen Anhörung im November. Die Entscheidung, teilte der Cas am Donnerstag mit, wird an diesem Freitag bekanntgegeben. Es geht um viel: Sun Yang begleitet der Doping-Verdacht, spätestens seit im Herbst 2014 bekannt wurde, dass er früher in jenem Jahr für drei Monate gesperrt war. Nun könnte er bis zu acht Jahre gesperrt werden, sollten die Schiedsrichter des Cas ihn für einen Wiederholungstäter halten. Und wenn es so kommt? Mal sehen, was Maglione und Marculescu noch einfällt. Nicht, dass Sun Yang den Eindruck bekommen muss, die großväterliche Fina habe ihn am Ende im Stich gelassen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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