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Kampf gegen Doping : IAAF verschärft Blick auf Hochrisiko-Länder

Das Logo des internationalen Leichtathletik-Verbandes: Die IAAF intensiviert ihre Bemühungen im Kampf gegen Doping. Bild: Reuters

Im Kampf gegen Doping-Vergehen setzt der internationale Leichtathletik-Verband nun auf eine intensivere Beobachtung von Risiko-Nationen. Russlands Verband bleibt gesperrt.

          Kenia und Äthiopien, die Heimat der stärksten Läuferinnen und Läufer der Welt, werden in der Leichtathletik künftig als Hochrisikoländer für Doping eingeordnet. Das hat der Weltverband der Leichtathleten (IAAF) auf der Sitzung seines höchsten Gremiums, des Councils, in Buenos Aires beschlossen. Demnach ordnet die IAAF neben den beiden afrikanischen die Verbände Weißrusslands und der Ukraine der Kategorie A zu; dies bedeutet, dass alle Mitglieder von deren Nationalmannschaften sich in den zehn Monaten vor einem sportlichen Großereignis mindestens drei Doping-Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen unterziehen müssen, um startberechtigt zu sein. Die Verbände dieser vier Länder stehen seit zwei Jahren unter besonderer Beobachtung. Die bekanntesten von gut fünfzig Doping-Fällen, die allein Kenia betreffen, sind die der Marathonläuferinnen Rita Jeptoo, Siegerin von Boston, und Olympiasiegerin Jemimah Sumgong sowie von 1500-Meter-Olympiasieger Asbel Kiprop.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Weißrussland ist mit seiner Hauptstadt Minsk Gastgeber der Europa-Spiele 2019; Präsident des Leichtathletik-Verbandes ist der frühere Hammerwerfer Wadsim Dsewjatouski, der einer lebenslangen Sperre dadurch entging, dass er drei Jahre lang vor dem Sport-Gerichtshof Cas dagegen kämpfte, dass eine nachträgliche Kontrolle seiner Probe von der WM 2005 als positiv und damit als sein zweiter Doping-Fall gewertet wurde; der Cas gab ihm recht.

          Alle nationalen Leichtathletik-Verbände – deren Mehrheit der Kategorie B zugeordnet wird – müssen künftig der IAAF Rechenschaft über ihre Anti-Doping-Maßnahmen ablegen. Der Weltverband und seine unabhängige Anti-Doping-Einrichtung (AIU) wollen damit Verbände zwingen, sich mehr in der Doping-Bekämpfung zu engagieren, und verhindern, dass sie sich bei Doping-Fällen lediglich von den betroffenen Athleten distanzieren.

          Neutrale Athleten bei der EM in Berlin

          Der Russische Leichtathletik-Verband (Rusaf) bleibt suspendiert. Bei der am 7. August in Berlin beginnenden Europameisterschaft werden deshalb wie erwartet russische Sportlerinnen und Sportler, die sich bei der IAAF um Startrecht beworben haben, als neutrale Athleten antreten. Der russische Verband wurde im November 2015 ausgeschlossen, als dessen systematisches Doping aufflog. Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Schlussstrich unter die Affäre gezogen hat, beharren die Leichtathleten darauf, dass für die Rückkehr der Russen deren Nationale Anti-Doping-Agentur alle Bedingungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erfüllen muss.

          Zu diesen gehört, den McLaren-Bericht anzuerkennen oder zu widerlegen, der systematisches Doping und die Beteiligung der russischen Regierung daran belegt. Wada und IAAF fordern darüber hinaus, dass die Daten über Resultate und Manipulation von Doping-Kontrollen im Kontrolllabor von Moskau von 2011 bis 2015 der Wada zur Verfügung gestellt werden, und auch die dazugehörigen, dort noch gelagerten Doping-Proben. Die russischen Behörden halten beides unter Verschluss als Beweismittel für ihre eigenen Ermittlungen. Darüber hinaus verlangt die IAAF von den Russen die Erstattung der Kosten, welche Ermittlungen, Streitfälle von dem Sport-Gerichtshof Cas und Verhandlungen verursacht haben.

          Stanislaw Posdnjakow, Präsident des Russischen Olympischen Komitees, sagte, der Verband arbeite hart für seine Wiederanerkennung. Entscheidend seien die Olympischen Spiele. Die IAAF ließ bei den Spielen von Rio 2016 nur eine einzige russische Athletin als neutrale Teilnehmerin zu. Rune Andersen, Leiter der Task-Force für den Umgang mit dem russischen Verband in der IAAF, lobte, dass der russische Verband deutliche Fortschritte mache und einige Anforderungen sogar übertreffe.

          Die IAAF beendete eine generelle Sperre von Nationalitäten-Wechseln, die sie vor anderthalb Jahren verhängt hatte. Besonders Golf-Staaten und die Türkei hatten massenhaft talentierte Athleten, überwiegend aus Kenia, eingebürgert. Nun soll minderjährigen Athleten der Wechsel des Startrechts für ein anderes Land verboten werden; Erwachsene müssen mindestens drei Jahre Startverbot in Kauf nehmen. Die IAAF will eine Kommission zur Begutachtung von Einzelfällen einrichten. Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 2016 in Amsterdam gewann die damals 19 Jahre alte Yasemin Can die Titel über 5000 und 10000 Meter für die Türkei; sie lebt und trainiert weiterhin in Kenia, wo sie als Vivian Jemutai geboren wurde.

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