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Ausschluss der Leichtathleten : Eine Botschaft an Russland

Erstmal hinter Gittern: Ob die russischen Leichtathleten bei Olympia in Rio starten dürfen, ist die große Frage. Bild: dpa

Russland Leichtathleten sind wegen systematischen Dopings suspendiert. Als Konsequenz soll die Führungsriege im Verband ausgewechselt werden. Auf die Olympia-Teilnahme in Rio dürfen die Russen aber weiter hoffen.

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          Der russische Leichtathletik-Verband (Araf) ist wegen systematischen Dopings vom internationalen Sport ausgeschlossen worden und verliert voraussichtlich seine Rolle als Gastgeber der Junioren-Weltmeisterschaft im Juli in Kasan. Noch ist fraglich, ob das Votum von 22 von 24 Mitgliedern des Councils, des Rates des Welt-Leichtathletikverbandes IAAF, auch den Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Rio de Janeiro zur Folge haben wird.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          IAAF-Präsident Sebastian Coe leitete die entscheidende Telefonkonferenz am Freitagabend von London aus. „Die Botschaft könnte stärker nicht sein“, sagte er. „Nun ist es an den Russen, Änderungen vorzunehmen.“ Nicht nur der russische Verband sei gescheitert, sondern das gesamte System sei den Erwartungen der Sportler nicht gerecht geworden. Als Konsequenz aus dem Doping-Skandal soll die gesamte Führungsriege im russischen Leichtathletik-Verband ausgewechselt werden. Innerhalb der kommenden drei Monate solle es Neuwahlen geben, kündigte das russische Sportministerium am Samstag an.

          Nicht nur die Russen wollen offenbar das russische Team im August in Rio am Start sehen. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, gab sich optimistisch, dass die Russen ihr Haus rechtzeitig in Ordnung bringen, und stimmte darin mit dem russischen Sportminister Witalij Mutko überein. Der amtierende Araf-Präsident Wadim Zelitschenok, bis vor kurzem Generaldirektor des Verbandes, sprach von der Rückkehr schon zur Hallen-Weltmeisterschaft Anfang März in Portland in den Vereinigten Staaten.

          Zunächst soll eine Kommission unter Leitung des norwegischen Anti-Doping-Experten Rune Andersen, früher Direktor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die Russen anhören; es sei denn, diese stimmten einer dauerhaften Suspendierung und damit der Auflösung ihres Verbandes zu.

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          Am Montag hat eine Ermittlungsgruppe der Wada unter Leitung von Wada-Gründungsdirektor Richard Pound Vorwürfe aus einer Fernsehreportage der ARD vom Dezember 2014 über systematisches Doping in der russischen Leichtathletik bestätigt. Demnach haben Verband, Anti-Doping-Einrichtungen, Staat und Lamine Diack, 16 Jahre lang Präsident der IAAF, zusammengewirkt, um Athleten zu dopen, Kontrollen zu verhindern und zu manipulieren sowie überführte Doper gegen Zahlung hoher Beträge vor Sperren zu bewahren. Ein Teil des Berichts ist unveröffentlicht, weil Interpol und die französische Justiz ermitteln.

          Mutko nannte den Bericht einen politischen Anschlag und behauptete, wenn bei den Olympischen Spielen 2012 in London gedopte Russen am Start gewesen sein sollten, sei dies zuerst das Versagen der britischen Doping-Kontrollen. Präsident Wladimir Putin dagegen versprach, den Vorwürfen nachzugehen und Abhilfe zu schaffen. Angeblich ist es allein an Andersen und seiner Kommission zu entscheiden, ob und wann der Ausschluss des russischen Verbandes aufgehoben wird. Die Wada kündigt an, am 18. November über den Ausschluss der russischen Anti-Doping-Agentur zu entscheiden. Ein Ausschuss des britischen Parlaments will am 2. Dezember Coe, der vor seiner Wahl im August acht Jahre Vizepräsident der IAAF unter Diack war, zu dem Doping-Skandal und Korruptionsfall befragen.

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