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Giselher Spitzer im Gespräch : „Unsere Ergebnisse wurden vorverurteilt“

  • Aktualisiert am

„Doper, die historisch relevant sind, müssen genannt werden“: Gishelher Spitzer Bild: ddp images/Berthold Stadler

Giselher Spitzer, einer der Autoren der Studie über Doping in Westdeutschland, wehrt sich gegen Angriffe auf seine Forschungsresultate. Er spricht von einseitiger Begutachtung seiner Arbeit und fordert die Namensnennung von Dopern, die historisch relevant sind.

          Giselher Spitzer, Historiker und Kenner des Dopings in Ost und West, ist Kopf einer Arbeitsgruppe an der Humboldt-Universität Berlin, die das Projekt „Doping in Deutschland“ erforschte. Es befasst sich mit der alten Bundesrepublik.

          Ist die Klage schon eingetroffen, die die Nada Ihnen angedroht hat?

          Eine Klage liegt mir nicht vor. Ich denke: Frau Dr. Gotzmann...

          ...die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur ...

          ...irrt sich. Sie hat im Sportausschuss des Bundestages gesagt, dass sie mich persönlich nicht kenne. Aber sie hat an der Sportministerkonferenz 2011 in Weimar teilgenommen und muss meinen Vortrag zum Doping in Deutschland gehört haben. (* siehe Anmerkung im Kasten unter diesem Interview)

          Sie werfen der Nada vor, Ihnen Unterlagen vorenthalten zu haben.

          Wir haben Kopien von Unterlagen angefordert, die wir schon 2010 als Vorarbeit für die dritte Phase eingesehen hatten, die Zeit nach 1990. Bis Ende März 2012, also solange unsere Arbeitsgruppe existierte, haben wir sie nicht erhalten. Dies sind grundlegend wichtige Akten für die Kontrollpraxis in der neuen, größeren Bundesrepublik nach 1990 und vor Gründung der Welt-Anti-Dopingagentur. Als die drei Mitarbeiter und ich nicht mehr mit dem Projekt befasst waren, erhielten wir das Angebot, die Akten einzusehen. Für mich ist das Vernebelung.

          Bei der Anhörung des Sportausschusses ist Ihre Arbeit massiv kritisiert worden. Warum haben Sie bei dieser Gelegenheit weitgehend geschwiegen?

          Ich war Gast des Gesetzgebers. Ich hatte kein Rederecht und kein Antragsrecht. Ich konnte nur sprechen, wenn ich dazu aufgefordert wurde. Das war eine sehr unangenehme Situation. Schließlich war ich als Experte aus der Wissenschaft eingeladen, um meine Ergebnisse vorzustellen. Ich konnte nur wenige Minuten sprechen und nicht auf viele unrichtige Einlassungen eingehen.

          Der Projektbeirat soll im April 2012 geschlossen zurückgetreten sein...

          Hätte er das mal gemacht! Wir haben den Eindruck bekommen, dass der von Eigeninteressen des Sports dominierte Beirat vor allem Lobby war. Vertreter des Sports und seiner Einrichtungen haben versucht, ein Klima zu schaffen, in dem unsere Ergebnisse nicht akzeptiert und unsachlich angegriffen wurden. Damit wird auch davon abgelenkt, dass 2006 das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) 665 Akten ausgesondert und vernichtet hat.

          Für den Beirat hat der Sportmediziner Braumann Ihnen vorgeworfen, das Thema der Arbeit eigenmächtig verändert, überwiegend sich selbst zitiert und Doping falsch definiert zu haben, um nur einen Teil der Vorwürfe zu nennen. Klingt, als hätte der Beirat Ihre Arbeit abgelehnt.

          Ganz und gar nicht. Wir konnten unsere Texte ja doch noch publizieren. Die sogenannten Gutachten, die das Bundesinstitut für Sportwissenschaft mir nur anonymisiert und in Ausschnitten zur Kenntnis gebracht hat, sind mehrheitlich positiv. Der Abschlussbericht ist auf der Website des Bundesinstituts veröffentlicht. Der einzige Historiker im Beirat hat unsere Arbeit auch öffentlich gelobt. Sein Gutachten scheint nicht in das Schlussgutachten eingegangen zu sein. Offenbar soll der Eindruck entstehen, den Sie ausgedrückt haben. Ich habe den Direktor des BISp gebeten, die Voten des Beirates und unsere Antworten darauf öffentlich zu machen. Auch von diesem Prozess der Aufarbeitung sollte die Öffentlichkeit Kenntnis erhalten. Das wurde abgelehnt.

          In wissenschaftlichen Review-Verfahren ist Anonymität üblich.

          Dies ist keine Review. Der Beirat ist bekannt, wir hatten mehrere gemeinsame Sitzungen. Die Kompilierung von Beiratskommentaren weckt den Verdacht, dass manipuliert werden sollte. Und zu unterschlagen, dass wir diskutiert haben, ist wissenschaftlich und politisch unethisch.

          Die Regierungsfraktionen haben die Anhörung im Bundestag vor allem für Erklärungen genutzt. Wie haben Sie das erlebt?

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