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Gewichtheber Gerd Bonk : Opfer des DDR-Systems

  • -Aktualisiert am

DDR-Gewichtheber Gerd Bonk im Jahr 1976 Bild: Picture-Alliance

Gewichtheber Gerd Bonk war einst einer der stärksten Männer der Welt – und ein anerkanntes DDR-Dopingopfer. Nun ist er gestorben. Sein Schicksal ist ein Verweis auf die katastrophale Situation der Geschädigten.

          Der Sachse Gerd Bonk aus Limbach zählte einst zu den stärksten Männern der Welt. Am Montag ist er im Alter von 63 Jahren in einer Klinik in Greiz gestorben. Der Gewichtheber vom DDR-Sportclub SC Karl-Marx-Stadt wurde in Montreal 1976 Olympia-Zweiter im Superschwergewicht.

          Bei den Spielen 1972 in München gewann er Bronze hinter Wassili Alexejew aus der Sowjetunion und dem Bayern Rudolf Mang. Er sammelte mehrere DDR-Meistertitel und stellte zwei Weltrekorde auf. 1975 schaffte er 246,5 Kilogramm, 1976 252,5 Kilogramm im Stoßen. Seinen großen Konkurrenten Alexejew konnte Bonk nie bezwingen. Nach dem Mauerfall wurde er vom Bundesverwaltungsamt als DDR-Dopingopfer anerkannt.

          Aus Doping-Studien unter anderem vom einstigen Verbandsarzt Hans-Henning Lathan, die nach dem Zusammenbruch der DDR bekannt wurden, ging hervor, dass die Gewichtheber, was Menge und Vielfalt der verabreichten Dopingpräparate anbetraf, im Arbeiter- und Bauern-Staat einsame Spitze waren. Bonk schluckte im Rahmen des 1974 beschlossenen, geheimen „Staatsplanthemas 14.25“ dabei die größte Menge. 1979 nahm er insgesamt 12775 Milligramm Steroide zu sich, davon allein 11550 Milligramm des Anabolikums Oral-Turinabol.

          Vor den Olympischen Spielen in Moskau 1980 wurde bei Bonk eine schwere Diabetes-Erkrankung diagnostiziert. Dennoch wurden ihm weiterhin die gesundheitsschädlichen Dopingsubstanzen verabreicht. Er sollte in Moskau unbedingt eine Medaille für die DDR gewinnen. Doch dies misslang. Wegen einer Depot-Gabe an Dopingmitteln wurde er abgemeldet.

          Gerd Bonk (1951 - 2014)

          Der Heidelberger Dopingexperte und Molekularbiologe Werner Franke bezeichnet den Umgang der DDR-Sportärzte mit Bonk als „großes sportmedizinisches Verbrechen“. Bonk arbeitete während seiner Athletenzeit in der DDR mehrere Jahre als Inoffizieller Mitarbeiter für die für die Überwachung des Sports zuständige Stasi-Abteilung XX der Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt, sein Deckname lautete IM „Händel“. Dabei berichtete er auch über Sportkameraden.

          Nachdem er die von ihm geforderten sportlichen Leistungen nicht mehr erbrachte, wurde er vom DDR-Sportsystem fallengelassen. Nach dem Karriereende wurde er wegen der schweren Zuckererkrankung, kaputter Nieren und weiterer schwerer Organschäden später zum Invalidenrentner. Zuletzt konnte der Dialysepatient sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. „Verheizt von der DDR, vergessen vom vereinten Deutschland“, so beschrieb Bonk einmal sein Leben.

          Nach einem Totalzusammenbruch und zweifacher Reanimation war er am 29. September diesen Jahres in ein Koma gefallen. Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereines (DOH), berichtete, dass Bonks Frau sich in der vergangenen Woche verzweifelt an den DOH gewandt habe. Nach einem Gespräch mit dem Chefarzt der Klinik, in der Bonk lag, war klar, dass sein Zustand dauerhaft akut und er für immer von Atemgeräten abhängig bleiben würde. Sein Schicksal ist auch ein weiterer Verweis auf die katastrophale Situation der Geschädigten.

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