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Fußball-WM und Olympia : Russen außer Kontrolle

Die Liste der Rusada – und ihre prominenten Lücken – wirft viele weitere Fragen auf, gerade auch abseits von Eis und Schnee. Im kommenden Jahr wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ausgetragen. Nach Lage der Dinge ohne regeltreue Anti-Doping-Agentur des Ausrichterlandes. Und wie steht es mit den durch McLaren entdeckten Proben von russischen Nationalspielern im Betrugskonvolut? Von 155 verdächtigen Proben hatte McLaren gesprochen, die der Fifa überstellt worden seien. Während des Confederations Cups im Sommer hatte der Internationale Fußballverband auf eine laufende Untersuchung verwiesen. Die Wada hatte schon damals „sehnlich“ auf ein Ergebnis gewartet. Es steht offenbar weiterhin aus. Nachfragen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Stand der Dinge blieben bislang unbeantwortet.

Wer hofft, wenigstens die aktuellen russischen Nationalspieler stünden unter einigermaßen regelmäßiger Kontrolle, wird beim Blick auf das Tätigkeitsprotokoll der Rusada enttäuscht. 25 Spieler umfasste der russische Kader für das Spiel gegen Spanien am Dienstagabend. Bis auf Roman Neustädter (Fenerbahce) und Konstantin Rausch (1. FC Köln) verdienen alle in der Premjer Liga ihr Geld. Von diesen 23 Spielern wurden nach den Angaben der Rusada neun in diesem Jahr jeweils einmal getestet. Die anderen 14 mussten gar keine Doping-Probe abgeben, jedenfalls nicht der Rusada. Wurden die Spieler getestet, dann allenfalls nach Europapokalspielen.

Die Nada in Bonn teilte mit, sie könne die Zahlen für die ersten zehn Monate 2017 noch nicht vorlegen. 2016 habe sie, das zum Vergleich, zusätzlich zu Wettkampfkontrollen 196 Trainingskontrollen bei deutschen A-Nationalspielern genommen, zusätzlich zu den Wettkampfkontrollen. Daraus ergibt sich über einen Zeitraum von zwölf Monaten für insgesamt 38 Nationalspieler nicht eben ein permanenter Verfolgungsdruck – aber doch ein erheblicher Unterschied zu den neun Doping-Proben, die von den Spielern der russischen Mannschaft in Training und Wettkampf von der Rusada in den vergangenen zehn Monaten genommen wurden.

Die russische Anti-Doping-Agentur darf ihre Arbeit vorerst nicht wieder aufnehmen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Fifa noch eine andere Strategie entwickelt, als ihr offensichtliches Russland-Problem auszusitzen. Auch der russische Fußball hat seinen Schukow, er heißt Witali Mutko und ist zugleich stellvertretender Ministerpräsident, Vorsitzender des russischen Fußballverbands und Vorsitzender des WM-Organisationskomitees. Mutko war Sportminister, als das Doping-System aufgezogen wurde, der Kronzeuge Gregorij Rodtschenkow, einst Leiter des Moskauer Labors, belastet ihn schwer. Während des Confederations Cups hatte er angeboten, einen Tanz aufzuführen, damit die Fragen nach Doping aufhören, und grundsätzliche Kritik am jahrelangen Lagern von Proben angebracht. Es sei „widersprüchlich“, Proben über Jahre zu lagern und dann „nach fünf oder drei Jahren“ etwas in einer Probe zu finden und zu sagen: „Das ist Doping.“ Nachkontrollen seien „kein gutes System“. „Wir investieren viel Geld im Sport“, sagte Mutko, „wir brauchen kein Doping, um irgendeine Bronzemedaille zu gewinnen, die nichts bedeutet.“

Nach allem, was die Liste der Rusada hergibt, wird nicht allzu viel Geld und Aufwand dafür eingesetzt, Proben des aktuellen Nationalmannschaftskaders vorzuhalten. Witali Mutko dürfte das gefallen.

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