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Russische Manipulationen : Ungestrafte Doper?

Manipulierte Proben: Offenbar wurden zahlreiche Daten gelöscht. Bild: AP

Laut übereinstimmenden Berichten könnten Hunderte gedopte russische Sportler davonkommen. Auch klar ist nun offenbar, welche Folgen die Manipulationen für die anstehende Fußball-EM haben werden.

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          Durch die Manipulation der Daten aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor könnten Hunderte Profiteure des russischen Staats-Doping-Programms ungestraft davon kommen. Wie die Nachrichtenagentur AP und die New York Times unter Berufung auf den Bericht der zuständigen Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada berichten, sind am 6. Januar 2019 15.325 Dateien und Ordner gelöscht worden, die „höchst relevante Anti-Doping-Daten“ zum Inhalt hatten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Demnach wurden Daten 578 verdächtige Proben von 298 Sportlern betreffend in „nahezu jedem Fall“, wie die New York Times schreibt, verändert. Mehrheitlich sei dies laut Wada-Bericht nach dem September 2018 geschehen, als die russische Anti-Doping-Agentur Rusada wieder zugelassen wurde, unter der Bedingung, dass die Daten aus dem Moskauer Labor der Wada überlassen werden. Es sei unklar, heißt es im 89 Seiten umfassenden Bericht, wer die Anweisung zur Manipulation gegeben habe, aber das Labor habe zu allen relevanten Zeiten „dem russischen Sportministerium und/oder dem staatlichen Ermittlungskomitee“ unterstanden. Das staatliche Ermittlungskomitee untersteht der Präsidialverwaltung des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

          Noch am 16. Januar 2019, als Wada-Ermittlern bereits Zugang zum Labor gegeben worden war, seien Dateien verändert worden, schreibt AP. Ein Ziel der Manipulationen sei zudem gewesen, die Aussagen des von russischer Seite als Zeugen angeführten Labormitarbeiter Jewgenij Kudrjawzew glaubhaft erscheinen zu lassen und den in Amerika unter Zeugenschutz lebenden Kronzeugen, den früheren Laborleiter Grigorij Rodtschenkow zu belasten. „Russland muss glauben, dass die Welt komplett blöde ist, wenn sie glauben, dass ihnen irgendwer ihre tollpatschigen Fälschungen abnimmt“, teilte Rodtschenkows Anwalt Jim Walden in einer Stellungnahme mit.

          Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow sagte am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge, die Empfehlung der Wada-Kommission, an Russland wegen Manipulationen jahrelang keine Großereignisse zu vergeben und Sportler vier Jahre lang nur als neutrale Athleten bei Olympischen Spielen und anderen Großereignissen starten zu lassen, löse „Besorgnis“ aus. Zugleich rief er zur Nüchternheit auf. Bisher handele es sich nur um für Russland unerfreuliche Straf-Empfehlungen, die Entscheidung treffe die Wada-Exekutive am 9. Dezember in Paris. Das müsse noch abgewartet werden.

          Ein Wada-Sprecher hat unterdessen klargestellt, dass die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr nicht von einer Sanktionierung Russlands umfasst wäre. Für die Uefa, die den Wada-Kodex nicht unterschrieben hat, sei die EM ein regionales/kontinentales Einzelsportereignis, zitiert AP. Die Wada selbst zählt in ihren Richtlinien auch Kontinentalmeisterschaften zu Großereignissen.

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