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Bund Deutscher Berufsboxer : Paradies für Manipulateure

  • -Aktualisiert am

Boxer Sturm im Gym: Trainingskontrollen gibt es nicht Bild: AFP

Der positive Doping-Test von Felix Sturm entpuppt sich zu einem Desaster für den gesamten Boxverband. Der BDB meidet die Regeln der Wada. Und sein Präsident Pütz erzählt Unsinn.

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          Wie oft muss man sich diesen Unsinn noch anhören? „Das macht keinen Sinn“, sagt der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), Thomas Pütz, zum positiven Test seines Athleten Felix Sturm. Pütz, der erste Mann der Profigemeinschaft in Deutschland, glaubt allen Ernstes, der Welt da draußen noch weismachen zu können, das anabole Steroid Stanozolol sei kein wirksames Doping-Mittel für einen Boxer. Weil nicht „Muskelaufbau“, sondern „Reaktionsvermögen“ und „Kondition“ wichtig seien. Kondition? Das ist der Oberbegriff für leistungsbestimmende Faktoren im Sport: Zu ihr zählen Ausdauer, Koordination, Flexibilität, Schnelligkeit und Kraft.

          Ja, vielleicht sollte man die Definition um Intelligenz erweitern. Mit Stanozolol kann man das Denkvermögen zwar nicht steigern, aber das beschleunigen, was die meisten Spitzensportler in äußerst anstrengenden Trainingsprozessen brauchen: die Regeneration. Damit mehr trainiert werden kann. Das ist einer der wesentlichen Gründe für die Einnahme. Und weil das so gut funktioniert, ist Stanozolol auch 28 Jahre nach dem ertappten Sprinter Ben Johnson noch immer ein Renner unter den Doping-Stoffen – weltweit.

          Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur gemieden

          Der positive Test der A-Probe von Sturm entpuppt sich also auch zu einem Desaster der Verbandsführung. Zumal der BDB-Chef gegenüber der Deutschen Presse-Agentur schon mal vorab die Schuld einschätzte und das Strafmaß des BDB halbwegs fixierte: Ein „wissentlicher Verstoß“? Aber nicht doch. Und deshalb wohl eher ein halbes Jahr Sperre statt einem.

          Positiv getestet: Box-Profi Felix Sturm

          An dieser Stelle werden geneigte Spitzensportler in Deutschland, sagen wir ein Radprofi oder ein Diskuswerfer, die Augenbrauen hochziehen. Wieso ein halbes Jahr? Wenn doch der Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Absichtsfällen vier und etwa bei der unbewussten Einnahme eines kontaminierten Nahrungsergänzungsmittels zwei Jahre vorsieht.

          Die unterschiedliche Sportrechts(aus)lage ist leicht zu erklären: Der BDB meidet die Regeln der Wada. Und deshalb leben seine Athleten, sollten Spitzbuben darunter sein, so frei wie in den achtziger Jahren, der Hochphase des Anabolika-Dopings: eine Aufenthaltsangabe zu jedem Tag drei Monate im Voraus? Gibt es nicht. Trainingskontrollen? Nein, die lieber nicht. Wenn aber der Floorball- und auch der Deutsche Frisbeesport-Verband in der Lage sind, die international gültigen Regelungen zum Kampf gegen Doping mit Brief und Siegel zu akzeptieren, warum ist das dann den Berufsboxern nicht möglich? Vor diesem Hintergrund scheint es nur eine Antwort zu geben: weil sie nicht wollen.

          Mitten in Deutschland hat der BDB also nicht nur ein Paradies für Manipulateure, sondern auch eine große Verlockung geschaffen. Wer im Training ungestört Anabolika zur Regeneration einwerfen kann und sie frühzeitig absetzt, wird nach dem Kampf als Saubermann dastehen, mitunter noch fürstlich entlohnt. Es sei denn, es geht etwas schief, wie bei Sturm. Dann aber kommt alles zusammen. Seit dem 18. Dezember 2015 ist Doping in Deutschland strafbar. Deshalb hat die Nationale Anti-Doping-Agentur bei der Staatsanwaltschaft Duisburg nach Informationen der F.A.Z. nun Anzeige erstattet. Ob was dabei herauskommt, ist fraglich. Denn die Behörde konnte erst informiert werden, nachdem Sturm Kenntnis von seiner positiven A-Probe erhalten hatte. Auch das hat der BDB zu verantworten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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