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Dopingbetrug im Boxen : Kein Pipifax

  • -Aktualisiert am

Neue Variante des Dopingbetrugs im Boxen: Die Fahnder waren die Bösen Bild: Picture-Alliance

Dass falsche Fahnder bei einem Boxkampf auftauchen und Sportler zur Probe und zur Kasse bitten, ist neu – und für die Antidopingagentur Nada alles andere als lustig.

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          So kann man auch die Neugier wecken: „Es ist vielleicht der größte Doping- und Betrugsfall im deutschen Sport“, schreibt das Magazin „Boxen heute“. Also denkt man schnell an gestern: an die Freiburger Doping-Schule, an ganze Sportverbände in der Bundesrepublik, die unter Stoff gesetzt wurden, an die Doping-Opfer, an das staatlich angeordnete, geheime Kinder-Doping der DDR, den Menschenversuch des Sports schlechthin. Und das soll alles kleiner gewesen sein als der Betrug vom Februar 2015?

          Nicht ganz. Zumal es gar keinen Doping-Fall gibt. Zumindest ist keiner offenbar geworden. Aber dafür eine Betrugsvariante, die so typisch scheint für die Box-Szene, dass man schmunzeln möchte. Alles hat der Sport schon vorgeführt: Doper, die sich Gerätschaften am Unterleib anlegten, um sauberen Urin bei den Kontrollen abzuliefern. Ertappte, die, ach welch blödes Versehen, (verbotene) Jungbrunnensubstanzen der Schwiegermutter aus deren Kühlschrank fischten. Und natürlich nicht zu vergessen die Story vom identischen Pipi dreier Damen - obwohl jede eine andere Anti-Baby-Pille eingenommen und dies protokolliert hatte. Immer lief die Dummheit mit.

          Ob sich die Opfer melden werden, ist fraglich

          Diesmal aber sollten die Athleten für blöd verkauft werden. Nach einem eher zweitrangigen Kampf zwischen dem Deutschen Jürgen Doberstein und seinem Gegner Cagri Emis wurden die Herren zur Kontrolle und dann zur Kasse gebeten: 1000 Euro für einmal Wasserlassen unter Aufsicht. Dem Verlierer Doberstein kamen nicht nur die Umstände des Kampfes dubios vor, sondern auch die Saubermannaktion, die von der Promoterin des Boxabends im Auftrag des freien deutschen Verbandes GBA organisiert worden sein soll. Doberstein ließ nachfragen bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Bonn. Und die wusste - von nichts. Nichts vom Kampf, nichts vom Auftrag, nichts von der Rechnung. Aber der Justitiar schaute nicht schlecht, als man ihm das Protokoll seiner Nada vorlegte. Ein altes, mit altem Logo noch, gefälscht.

          Falsche Fahnder, das ist eine neue Episode im deutschen Sport. Und sie ist alles andere als lustig für die Nada. Die Bonner haben flugs Anzeige erstattet bei der Staatsanwaltschaft. Denn über den Verdacht eines Betruges und Urkundenfälschung hinaus geht es darum, den Ruf der Institution frei von Flecken zu halten. Die Nada behält sich, sollte ein kriminelles Verhalten festgestellt werden, eine Schadensersatzklage vor. Jeder potentielle Nachahmer soll die Lust an diesem schmutzigen Spiel schon im Ansatz vergehen.

          Das Verfahren könnte sich zu einem interessanten, sehr ernsthaften Prozess entwickeln. Wenn sich herausstellen sollte, dass falsche Fahnder nicht zum ersten Mal losgeschickt wurden. Die Frage ist nur, ob sich die Opfer auch melden werden. Vielleicht ist mancher ganz froh, dass seine Probe nicht in der Analyse, sondern in der Spülung landete. Für 1000 Euro.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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