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Fall Sinkewitz : Explosiver Freispruch

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Das deutsche Schiedsgericht spricht Patrick Sinkewitz frei und hebt seine Suspendierung auf Bild: ZB

Durch ein Urteil des nationalen Sportschiedsgerichts wird die Nada zum Handeln gezwungen. Nach dem Freispruch im Fall Patrick Sinkewitz geht die Doping-Agentur nun vor dem Cas in Berufung.

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          Ein Urteil des nationalen Sportschiedsgerichts im Fall des Radprofis Patrick Sinkewitz hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) zum Handeln gezwungen. Willi Erdmann, der frühere Vorsitzende des Bundesgerichtshofs, war am Dienstag in dem Verfahren gegen den 31 Jahre alten Sportler aus Fulda zu dem Ergebnis gekommen, dass dessen auf Wachstumshormon positive Tests nicht für eine Verurteilung ausreichen.

          Der Richter legte seiner Entscheidung nicht die Details des Falles zugrunde, sondern urteilte, dass die im Testverfahren festgelegten Grenzwerte für Wachstumshormon statistisch nicht ausreichend begründet seien. Damit steht die juristische Belastbarkeit eines von der Welt-Antidoping-Agentur validierten Doping-Testverfahrens in Frage.

          „Mit diesem Urteil sind wir nicht einverstanden“, sagte Lars Mortsiefer, Chefjustitiar der Nada. „Insbesondere ist nicht geklärt worden, warum im Blut von Herrn Sinkewitz diese hohen Werte gemessen wurden.“ Darum wird die Nada vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) gegen das nationale Urteil in Berufung gehen.

          Die Nada hatte in dem Verfahren beantragt, Sinkewitz lebenslang zu sperren. Er war am 27. Februar 2011 positiv auf Wachstumshormon getestet worden, sowohl A- als auch B-Probe hatten eine signifikante Überschreitung des Grenzwertes ergeben. Dabei handelte es sich um einen möglichen Zweitverstoß. Sinkewitz war bereits 2007 die verbotene Zuführung von Testosteron nachgewiesen worden. Weil der Hesse den Missbrauch zugab, kam er mit einer einjährigen Sperre davon. Als Wiederholungstäter droht ihm ein lebenslanger Ausschluss. Sinkewitz hat die Einnahme von Wachstumshormon stets abgestritten.

          Am Dienstag hat das deutsche Schiedsgericht Sinkewitz freigesprochen und seine Suspendierung aufgehoben. Zumindest bis zum Cas-Urteil kann Sinkewitz wieder an Rennen teilnehmen. „Wie es jetzt aussieht, ist es erst mal ein Etappensieg“, sagte Rainer Cherkeh, der Anwalt von Sinkewitz, am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ihm ist bewusst, dass bei dem Verfahren mehr als nur ein Einzelfall verhandelt wird. „Das Urteil hat aus rechtlicher Sicht grundlegende Bedeutung für die Sportgerichtsbarkeit“, sagte Cherkeh.

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