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Fall Contador : Freispruch für das Steak

  • Aktualisiert am

Vorhang zu, vorläufig: Der Absturz des spanischen Volkshelden Contador ist gewaltig Bild: REUTERS

Radprofi Alberto Contador verliert den Tour-Sieg 2010 und erhält eine vorwiegend rückwirkende Sperre von zwei Jahren. Tour de France und Olympia 2012 verpasst er. Dazu droht dem spanischen Volkshelden eine Millionenstrafe.

          Es geschah in den Pyrenäen, auf der 15. Etappe der Tour de France 2010: Der Luxemburger Andy Schleck war zusammen mit seinem spanischen Gegenspieler Alberto Contador den 1755 Meter hohen Port de Bales hinaufgefahren und attackierte nun wenige Kilometer vor dem Gipfel. Der Angriff zeigte Wirkung, Contador kam jedenfalls nicht mehr mit, aber dann trat Schleck plötzlich ins Leere - seine Kette war heruntergesprungen.

          Der Spitzenreiter, überrascht von dem Missgeschick, musste anhalten und reparierte mit zittrigen Fingern den Schaden selbst. Contador - wenig kollegial - nutzte das Pech des Rivalen, fuhr ungerührt weiter und nahm Schleck das Gelbe Trikot und 39 Sekunden ab. Genau mit diesem Vorsprung gewann der Spanier später die Tour, als deren wahren Sieger schon damals viele Leute Andy Schleck sahen.

          Jetzt ist es so weit. 18 Monate später wurden Contador der Tour-Sieg 2010, sein dritter, wie auch der Erfolg beim Giro d’Italia 2011, sein zweiter, wegen eines Dopingvergehens aberkannt. Er verliert alle seine Erfolge seit dem 21. Juli 2010. Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) sperrte ihn für zwei Jahre, davon anderthalb Jahre rückwirkend. Weil der 29 Jahre alte Spanier erst vom 5. August an wieder fahren darf, verpasst er die Tour de France und die Olympischen Spiele 2012. In einem weiteren Verfahrensschritt wird der Cas über die Forderung des Radsport-Weltverbandes (UCI) nach einer Geldstrafe in Höhe von mindestens 2,485 Millionen Euro entscheiden. Außerdem ist zu erwarten, dass die betroffenen Veranstalter Preisgelder von Contador zurückfordern werden. Die 450.000 Euro vom Tour-Sieg 2010 zum Beispiel stünden nun dem Nachrücker Schleck zu.

          Sogar zur Kälbermast verboten

          Ob das Urteil das Ende von Contadors Karriere bedeutet, ist angesichts der Nonchalance der Branche zwar noch unklar. Doch der Absturz des gefeierten Radstars in den Doping-Abgrund ist gewaltig. Contador ist bereits der zweite Tour-Sieger, nach dem Amerikaner Floyd Landis 2006, der sein Gelbes Trikots wegen verbotener Leistungsmanipulation nachträglich wieder verlor.

          2010 gewann Alberto Contador (in gelb) die Tour de France - der Sieg wurde ihm nun aberkannt. Andy Schleck (in weiß) rückt nun vor.

          Zwei Tage nach dem Ketten-Drama, am 21. Juli, hielt die Tour 2010 ihren zweiten und letzten Ruhetag ab, bevor das Duell zwischen Contador und Schleck am Aufstieg zum Tourmalet endgültig entschieden werden sollte. Zwei Dinge geschahen an diesem Tag. Contador aß angeblich ein Stück Fleisch, das sein Teamchef jenseits der Grenze in Spanien gekauft haben wollte. Und die Dopingkontrolleure kamen. Sie nahmen Contador Blut ab, in dem später im Kölner Anti-Doping-Labor minimale Spuren des Mittels Clenbuterol gefunden wurden.

          Wie kam das Mittel in den Körper?

          Dieses Präparat ist bekannt aus der Kälbermast - allerdings als verbotener und in Europa schon lange nicht mehr eingesetzter Wachstums-Beschleuniger. Und als Dopingsubstanz bei Leistungssportlern. Unstrittig war, dass die Kleinstmenge Clenbuterol - das ja sowieso zum Aufbau von Muskeln eingesetzt wird - Contador am Tourmalet nicht helfen konnte. Unstrittig war auch, dass in vorangegangenen Dopingproben Contadors kein Clenbuterol gefunden worden war. Und unstrittig ist auch, dass der menschliche Körper Clenbuterol nicht selbst herstellt. Wo also kam das Mittel her?

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