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Fall Contador : Freispruch für das Steak

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Der Spanier verpasst die Olympischen Spiele und muss möglicherweise eine Millionenstrafe zahlen
Der Spanier verpasst die Olympischen Spiele und muss möglicherweise eine Millionenstrafe zahlen : Bild: dpa

Der spanische Radsportverband (RFEC) glaubte Contador, dass er die Substanz mit seinem Steak zu sich genommen habe und sprach ihn im Februar 2011 frei. Im Zusammenhang mit Clenbuterol wurden bereits andere Sportler juristisch vom Dopingverdacht reingewaschen. Der deutsche Tischtennisspieler Dimitrij Ovcharow etwa konnte glaubhaft machen, dass er sich beim Fleischverzehr in China unwissentlich Spuren des Mittels einverleibt hatte. Der Fußball-Weltverband sprach in einem Aufsehen erregenden Verfahren zwei Fußballspieler frei, die in Mexiko Fleisch gegessen hatten.

Einspruchsfrist von 30 Tagen

Der Radsport-Weltverband und die Welt-Antidoping-Agentur hielten Contadors Angaben aber für nicht glaubhaft. Sie zogen vor den Cas, der nach vielen Verzögerungen am Montag sein Urteil sprach. In seiner Urteilsbegründung erklärt das Gericht, es halte verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel für die wahrscheinlichste Quelle. Contador erfuhr von der Entscheidung in seiner Heimatstadt Pinto im Beisein seiner Familie und seiner Anwälte. Dem Spanier bleibt nun noch der Gang vor das Schweizer Bundesgericht - er hat eine Einspruchsfrist von 30 Tagen. Allerdings prüft diese letzte Instanz die Cas-Urteile nicht inhaltlich, sondern nur auf Verfahrensfehler hin.

Contador hatte für die positive Analyse ein verunreinigtes Steak verantwortlich gemacht und Doping stets bestritten
Contador hatte für die positive Analyse ein verunreinigtes Steak verantwortlich gemacht und Doping stets bestritten : Bild: REUTERS

Der Präsident des Weltverbandes, der zu ähnlichen Gelegenheiten auch schon die Effektivität des eigenen Anti-Doping-Kampfes gepriesen hat, reagierte bedrückt auf das Urteil. „Dies ist ein trauriger Tag für unseren Sport“, sagte der Ire Pat McQuaid. „Manche werden von einem Sieg reden, aber das ist nicht der Fall. Es gibt beim Thema Doping keine Gewinner.“ Noch am Wochenende hatte man in Aigle, bei der von Dopingfällen strapazierten UCI, kurz aufgeatmet. Da hatte die amerikanische Justiz mitgeteilt, sie werde ihre Ermittlungen gegen den siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong einstellen.

„Wir brauchen Zeit“

Zu den großen Verlierern zählt der Rennstall Saxo-Bank des Dänen Bjarne Riis, dessen Kapitän Contador ist. Offenbar fühlte man sich sicher, obwohl Contador bereits eine dubiose Vergangenheit hatte: Er wurde bereits im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den spanischen mutmaßlichen Blutdoper Eufemiano Fuentes erwähnt. Trotz des ausstehenden Urteils hatte die Teamleitung ihre Formation komplett auf Contador ausgerichtet. Nun könnte sogar die Zulassung zur Tour de France gefährdet sein.

Der Internationale Sportgerichtshof Cas brauchte 18 Monate für sein Urteil
Der Internationale Sportgerichtshof Cas brauchte 18 Monate für sein Urteil : Bild: dpa

Am 18. August, zum Start seines Heimatrennens, der Spanien-Rundfahrt, könnte Contador allerdings schon wieder am Start sein. Seine Fans äußern im Internet bereits die Erwartung, dass er dann bei der „Vuelta“ den Tour-Sieger von 2012 schlagen und die sportlichen Verhältnisse wieder herstellen werde. Das Team Saxo-Bank ging auf seiner Internet-Seite nicht auf das Cas-Urteil ein. Teamsprecher Anders Damgaard sagte der Nachrichtenagentur Ritzau am Montag in Kopenhagen: „Wir brauchen Zeit für ein genaueres Studium, ehe wir kommentieren.“

Stimmen zum Urteil: „Trauriger Tag“

Andy Schleck (Luxemburg), designierter Tour-Sieger 2010: „Es gibt keinen Grund, glücklich zu sein. Alberto tut mir leid. Das ist ein trauriger Tag für den Radsport. Ich habe immer an seine Unschuld geglaubt. Das einzig Positive: 566 Tage der Ungewissheit sind vorbei.“

Michele Scarponi (Italien), designierter Giro-Sieger 2011: „Es tut mir leid für Alberto.“

Eddy Merckx (Belgien), fünfmaliger Tour-Sieger von 1969 bis 1974: „Ich bin empört. Das ist ein weiterer großer Schlag gegen den Radsport. Es ist, als ob jemand unseren Sport töten will. Ich würde mich freuen, wenn auch in anderen Sportarten nach winzigen Spuren von Clenbuterol gesucht werden würde.“

Carlos Sastre (Spanien), Tour-Sieger von 2008: „Das Urteil entbehrt jeder Logik.“

Pedro Delgado (Spanien), Tour- Sieger von 1988: „Im Kampf gegen das Doping verlieren die Verantwortlichen die Orientierung.“

Juan Carlos Castaño, Präsident des spanischen Radsportverbandes: „Wir hatten auf eine positive Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs gehofft.“

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