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Erfurter Doping-Netzwerk : „Wie eine Mafia“

  • Aktualisiert am

Kopf der Bande: Festnahme in Erfurt Ende Februar Bild: dpa

Der leitende Ermittler vergleicht das Doping-Netzwerk des Erfurter Mediziners Mark S. mit einer Mafia-Organisation: „Man ist arbeitsteilig vorgegangen, jeder hatte seine eigenen Aufgaben.“

          Der leitende Ermittler des österreichischen Bundeskriminalamts hat das Netzwerk des Erfurter Mediziners Dr. med. Mark S. mit einer Mafia-Organisation verglichen. S. steht unter dem dringendem Verdacht, Sportler seit Jahren gedopt zu haben.

          Die Organisation sei hierarchisch aufgebaut gewesen, sagte Dieter Csefan am Montag in Wien. „Man ist arbeitsteilig vorgegangen, jeder hatte seine eigenen Aufgaben: die Blutbeutel von A nach B zu bringen, die Transfusionen zu setzen.“ Sportler seien von S. zu Doping-Anwendungen aufgefordert und zu Beginn eingeladen worden. Zudem habe man Sportler gelockt, indem auf bereits behandelte Athleten verwiesen wurde, die neue Profiverträge erhalten hätten.

          Csefan bestätigte die Erkenntnisse der Münchner Staatsanwaltschaft, die vom Leiter der Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft, Kai Gräber, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geäußert worden waren. Demnach waren S. und seine Komplizen seit Jahren weltweit bei internationalen Wettbewerben und Sportgroßveranstaltungen anwesend.

          Csefan kündigte an, dass S. und sein der Komplizenschaft verdächtigter Vater, der Erfurter Rechtsanwalt und langjährige Sportfunktionär Ansgard S., am Dienstag und Mittwoch in München vernommen werden sollen. Er werde bei der Vernehmung anwesend sein.

          Das Landesgericht Innsbruck hat unterdessen am Montag die Auslieferung der beiden mutmaßlichen Komplizen von Mark S. nach Deutschland beschlossen. Beide waren in Seefeld festgenommen worden. Die Entscheidung des Gerichts ist rechtskräftig, eine Beschuldigte legte allerdings Beschwerde gegen die Auslieferung ein.

          Unterdessen teilte die Staatsanwaltschaft in der estnischen Hauptstadt Tallinn mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Weitergabe von Medikamenten zu Doping-Zwecken gegen den estnischen Langlauf-Trainer Mati Alaver eröffnet und diesen für bis zu 48 Stunden in Haft genommen habe. Alaver hatte nach der Razzia während der Nordischen Ski-WM in Seefeld angegeben, einem der in Seefeld verhafteten estnischen Langläufer Kontakt zu S. verschafft zu haben. Inzwischen haben auch andere estnische Sportler Alaver belastet.

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