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Erfurter Blutaffäre : Freispruch für Judith Hesse

  • Aktualisiert am
Judith Hesse: Dopingvergehen ohne eigene Schuld
          2 Min.

          Verbotene Methode, aber keine Schuld: Das erste Schiedsgerichtsverfahren im Zuge der Erfurter Blutmanipulationsaffäre gegen die Eisschnellläuferin Judith Hesse ist mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Dies teilte die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) am Montag mit. Die UV-Bestrahlung ihres Blutes am 1. Februar 2011 sei zwar ein Doping-Vergehen gewesen, in dem konkreten Einzelfall liege aber kein Verschulden der Athletin vor. Deshalb wurde von einer Bestrafung abgesehen.

          Nicht geklärt ist weiterhin, ob die UV-Methode nach dem Anti-Doping-Code der Weltagentur Wada schon vor 2011 verboten war. Insgesamt sollen 30 Athleten von Franke mit UV-Strahlen behandelt worden sein. Noch nicht entschieden ist vom Deutschen Sportschiedsgericht das Verfahren gegen den Biberacher Bahnradfahrer Jakob Steigmiller, der sich ebenfalls nach dem 1. Januar 2011 einer UV-Behandlung durch den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke unterzogen hatte.

          Judith Hesse hatte sich aufgrund einer akuten und schwerwiegenden Erkrankung nach ihrer Rückkehr von einem Wettkampf im Ausland zunächst zu ihrem Verbandsarzt begeben. Dieser hatte sie an Franke überwiesen. Die 27-jährige Erfurterin habe sich folglich nicht aus eigenem Antrieb in die Behandlung von Franke begeben, hieß es in der Urteilsbegründung von Ingo Erberich, Einzelrichter am Deutschen Sportschiedsgericht in Köln. Außerdem habe sie mehrfach gefragt, ob die Behandlungsmethode dem Nada-Code widerspreche oder bei der Nada angemeldet werden müsse. Beides habe Franke verneint.

          Was war vor 2011 - und wie wird es bewertet?

          Auf diese Aussagen hätte sich Hesse auch verlassen dürfen, zumal Franke bereits seit 15 Jahren als Olympiastützpunktarzt in Erfurt tätig war und es zu diesem Zeitpunkt keine Anhaltspunkte gegeben habe, an seiner Reputation zu zweifeln. „Es erscheint - angesichts der akuten und schweren Erkrankung der Schiedsbeklagten - sachfremd“, hieß es in dem Urteil weiter, „von der Schiedsbeklagten zu verlangen, trotz der eindeutigen Aussage eines langjährig tätigen, anerkannten Olympiastützpunktarztes unmittelbar vor Durchführung einer Behandlung aus dem Behandlungszimmer heraus weitere Erkundigungen einzuholen oder zunächst ganz auf die Behandlung zu verzichten.“

          Offen ist weiterhin, ob die Nada auch gegen Athleten, die vor 2011 bei Franke zur UV-Behandlung waren, Schiedsgerichtsverfahren einleitet. Die juristische Prüfung, ob diese Methode vor 2011 nach dem Wada-Kodex verboten war oder nicht, ist noch nicht abgeschlossen. Der Nada liegt inzwischen ein in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das offenbar zum Schluss kommt, dass die UV-Behandlung auch vor 2011 nicht erlaubt gewesen sein. „Das Gutachten wird derzeit analysiert und ausgewertet“, erklärte Nada-Sprecher Berthold Mertes.

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