https://www.faz.net/-gu9-9s4ll

Ende des Nike Oregon Project : Der vorletzte Schritt

  • -Aktualisiert am

Es bleibt ein Nebel der Ungewissheit: Nike-Chef Mark Parker schließt das Oregon Project. Bild: AFP

Nike-Chef Parker stoppt das Oregon Project – und mimt gleichzeitig den charakterstarken Unterstützer von Salazar. Das könnte damit zusammenhängen, dass Nike vom Treiben seines Medaillenschmieds gewusst haben könnte.

          2 Min.

          Mark Parker ist eingeknickt. Der Vorstandsvorsitzende des größten Sportartikel-Herstellers auf diesem Planten schließt sein Vorzeigeprojekt: Die Medaillenschmiede namens NOP, das Nike Oregon Project. Es ist nun Geschichte, weil sich einer der mächtigsten wie einflussreichsten Mitspieler im internationalen Sport Sorgen macht um die Zukunft seiner Athleten. Das behauptet Parker in seiner schriftlichen Erklärung: „Die Situation und die unbegründeten Behauptungen lenken viele Athleten ab und beeinträchtigen sie, sich auf ihre Trainings- und Wettkampfbedürfnisse zu konzentrieren.“ Nike, das könnte auch in einem Werbespot des Konzerns stehen, tut eben alles für seine Sportler.

          Ob Parker alle Gründe genannt hat? Kurzfristig ließen sich die Athleten des NOP jedenfalls nicht beeindrucken von Fragen zu den Hintergründen des Erfolges. Gleich nachdem der Vater des Projektes, Alberto Salazar, von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada wegen „Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln“ für vier Jahre aus dem Verkehr gezogen worden war, liefen Sportler aus seinem Reich bei der Weltmeisterschaft in Doha zu Gold (3), Silber und Bronze. Mittelfristig aber, das weiß jeder Geschäftsmann, kann so eine Affäre namhafte Athleten bewegen, von Nike Abschied zu nehmen und so das Image des Projektes weiter zu demolieren.

          Denn die Auseinandersetzung hat erst begonnen. Salazar wäscht seine Hände in Unschuld und will Einspruch einlegen, Parker mimt den charakterstarken Unterstützer. Was damit zusammenhängen könnte, dass Nike vom Treiben seines Medaillenschmieds auf dem Gelände des Hauptquartiers in Oregon gewusst haben könnte. Rüstet da jemand zum Kampf gegen die Usada und deren kampferprobten Chef Travis Tygart, der einst (nach Vorarbeit der amerikanischen Justiz) den Super-Doper Lance Armstrong zu Fall brachte? Das wäre zu wünschen. Eine vorerst sportjuristische Auseinandersetzung hätte den Charme, das Treiben Salazars über die Darstellung auf 260 Seiten der Usada hinaus in aller Öffentlichkeit zu diskutieren. Allein seine Versuche, mit Testosteroncreme auf der Haut der Söhne eine Nachweisgrenze zu ermitteln, belegt, wie weit Salazar zu gehen bereit ist. Wenigstens bis an den Grenzwert der im Körper von Sportlern erlaubten Menge. An dieser Steller scheiden sich die Geister.

          Mit dem Hinweis, nie positiv getestet worden zu sein, nie einen positiven Fall erlebt zu haben, versuchen Athleten, Ärzte, Funktionäre, Politiker und Sponsoren das Doping-Problem bis heute auf ein rein juristisches zu reduzieren. Positiv oder nicht, das soll allein die Frage sein. Obwohl die Schwäche von Kontrollinstitutionen, die Überforderung angesichts krimineller Netzwerke noch immer offensichtlich ist. Die Grauzone bleibt weitgehend unangetastet. In ihr entwickelte sich die Annäherung an Grenzwerte, die mitunter hoch gesetzt werden, um falsche positive Befunde zu vermeiden.

          Alles, was Leistungssteigerungen verspricht, ob nun erlaubt oder verboten, aber gleichzeitig unter dem Radar der Fahnder bleibt, kommt zum Einsatz. Diese Strategie funktioniert hier und da, mitunter führen Fehlkalkulationen zu positiven Resultaten und einem völlig überraschten, sich unschuldig wähnenden Delinquenten. Es ist längst Zeit, diese Form des „Herandopens“ offensiver anzusprechen und zu ächten. Sie bereitet Athleten physisch wie psychisch auf den nächsten Schritt vor.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.