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Eine Ära des Dopings : Sportmediziner Armin Klümper gestorben

Armin Klümper (Bild von 1997) Bild: Picture-Alliance

Armin Klümper, ein führender und berüchtigter Vertreter der Freiburger Sportmedizin des vergangenen Jahrhunderts, lebt nicht mehr. Erst durch eine Anzeige in der F.A.Z. wird die Sport-Szene überhaupt auf seinen Tod aufmerksam.

          Professor Armin Klümper, ein führender und berüchtigter Vertreter der Freiburger Sportmedizin des vergangenen Jahrhunderts, lebt nicht mehr. Der bei vielen Leistungssportlern beliebte Mediziner starb, wie erst jetzt bestätigt wurde, bereits am 23. Juni im Alter von 84 Jahren in Kapstadt, wohin er sich im Jahr 2000 zurückgezogen hatte. Erst durch eine Todesanzeige am vergangenen Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde die Sport-Szene hierzulande überhaupt auf seinen Tod aufmerksam. Klümper pflegte schon lange keinen Kontakt mehr zu den alten Weggefährten. Sein Name allerdings verschwand nie ganz aus dem sporthistorischen Gedächtnis, so wenig wie der seines 2000 verstorbenen Rivalen Joseph Keul.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Klümper wurde nie von einem Gericht wegen Doping-Vergehen verurteilt, lediglich wegen anarchistischer Abrechnungspraktiken bekam er immer wieder Schwierigkeiten. Aber in zahlreichen Dokumenten und Sportler-Aussagen wurde er in Zusammenhang vor allem mit – auch systematischem – Anabolika-Doping gebracht. Klümper behandelte auch die Mainzer Siebenkämpferin Birgit Dressel, die 1987 mit 26 Jahren an Multi-Organversagen starb. Sie hatte Hunderte Spritzen und Tausende Tabletten erhalten. Der Tod der jungen Frau versetzte der deutschen Öffentlichkeit einen Schock. Das Doping-Problem des Hochleistungssports wurde dadurch in seinem vollen Ausmaß sichtbar. Der Professor aus Freiburg bestritt jede Verantwortung dafür.

          Klümper, geboren in Münster, war von Hause aus Radiologe. 1976 wurde er Leiter der von ihm gegründeten Sporttraumatologischen Spezialambulanz der Uni Freiburg. 1990 wurde er Ärztlicher Direktor der Mooswald-Klinik, die nach drei Jahren schließen musste, danach arbeitete er in diesen Räumen, die ihm die Stadt Freiburg mietfrei überließ, bis zum Jahr 2000 weiter. Die öffentliche Hand unterstützte seine Tätigkeit auf vielfältige Weise.

          Klümper war die lebenspraktische Antwort der Bundesrepublik Deutschland auf die sportliche Kampfansage der DDR. Ein nicht zu unterschätzender Akteur im Kampf der Systeme, der in den siebziger und achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in den Sportarenen tobte. Der Kalte Krieg machte aus jedem großen Sport-Ereignis, ganz besonders den Olympischen Spielen, ein James-Bond-Drama. Der Leistungssport erfuhr damals eine immense politische Aufladung und durch die Block-Bildung einen enormen Unterhaltungswert, wie er in der heutigen diversifizierten Welt kaum mehr vorstellbar ist.

          Die DDR, so stellte sich nach der Wende rasch heraus, hatte für den politischen Vergleich ihr zynisches Doping-System entwickelt, das eine riesige Medaillen-Ausbeute und beklagenswerte Doping-Opfer produzierte. Die Bundesrepublik individualisierte solche Fragen zumeist. Hohe Leistungsnormen standen Lippenbekenntnissen der Verbände und der Politik zum sauberen Sport gegenüber. Ganze Nationalmannschaften pilgerten deshalb phasenweise zu Klümper, der, so muss man aus der Vielzahl gläubiger Anhänger folgern, fast immer den richtigen Rat wusste. Als Diagnostiker hatte er ohnehin einen ausgezeichneten Ruf. Für den Bund Deutscher Radfahrer entwickelte er sogar eine umfassende Doping-Konzeption.

          Noch 1997 unterzeichneten Sportler aus der ersten Reihe, unter anderer die Fußballspieler Wolfgang Overath und Hansi Müller, die Zehnkämpfer Jürgen Hingsen und Christian Schenk, der Diskuswerfer Lars Riedel, die Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss, der Gewichtheber Rolf Milser und der Turner Eberhard Gienger eine Zeitungsanzeige, in der sie Klümper verteidigten. Sie bescheinigten ihm, ein „leidenschaftlicher Patientenarzt“ zu sein mit einem „ausgeprägten medizinischen Ethos“. Dem waren Beschuldigungen der Hürdensprinterin Birgit Hamann vorausgegangen, er habe ihr ohne ihr Wissen Wachstumshormone gegeben. Die Freiburger Staatsanwaltschaft strengte deswegen Vorermittlungen an, das Verfahren wurde aber eingestellt. Allerdings rückten die Sport-Institutionen und auch einzelne Anhänger immer mehr von Klümper ab. Im Jahr 2000 musste er das von ihm gegründete Sporttraumatologische Zentrum verlassen, wanderte nach Südafrika aus und war zu weiteren öffentlichen Auskünften nicht mehr bereit.

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