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Dopingsünder Kipsang : „Dies ist nicht mein Ende“

Ausgejubelt: Der ehemalige Weltrekordhalter Wilson Kipsang 2013 beim Sieg in Berlin. Bild: dpa

Marathon-Champion Wilson Kipsang wird wegen verpasster Doping-Kontrollen gesperrt – und reagiert mit Vorwürfen. Sein Fall ist nicht der erste aus Kenia.

          3 Min.

          Auf seine Sperre für vier Jahre wegen vier verpasster Doping-Kontrollen hat der Marathon-Champion Wilson Kipsang mit wütenden Vorwürfen reagiert. Dem Integrity Unit des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics (Aiu) warf er Rassismus und den Versuch vor, kenianische Leichtathleten zu schädigen. Dem kenianischen Verband unterstellte er, hinter der Sperre zu stecken und mit ihr Rache zu üben für Kipsangs Gründung einer Berufsvertretung von kenianischen Läuferinnen und Läufern.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der schwedische Richter Conny Jörneklint, von der Aiu mit dem Fall beauftragt, begründet die Sperre mit drei verpassten Tests und einer falschen Adressangabe innerhalb eines Jahres. Die von Kipsang und seinen Zeugen, darunter seine Frau, angegebenen Entschuldigungen erwiesen sich in zwei Fällen als falsch. Einmal gab der 38 Jahre alte Kipsang an, dass er wegen eines Erdrutsches, ausgelöst von einem Unwetter, nicht rechtzeitig zu Hause sein konnte, als dort eine Doping-Kontrolle stattfinden sollte. Ein andermal habe er im Stau gesteckt, den ein umgestürzter Lastwagen verursacht habe.

          Das Gericht konnte für beide Vorfälle keine Bestätigung finden. Weder gab es Aufzeichnungen zu schlechtem Wetter am angegebenen Ort zur angegebenen Zeit, noch habe die Polizei am fraglichen Tag den Unfall eines Lastwagens und eine daraus resultierende Verkehrsbehinderung protokolliert. Ein zum Beweis eingereichtes Foto war, wie Recherchen ergaben, drei Monate nach dem angeblichen Unfall aufgenommen worden.

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          „Der Athlet hat arglistiges und betrügerisches Verhalten gezeigt, indem er der Aiu absichtlich falsche und irreführende Informationen gab im Versuch, die Ermittlungen zu seiner Erklärung zu behindern und zu verzögern und/oder ein normales Verfahren, insbesondere die Feststellung eines verpassten Tests, zu verhindern“, heißt es im Urteil der Aiu. Die Gründung der unabhängigen Integritätseinheit verhindert, dass der Verband selbst – schwer belastet durch den gerade in Paris verhandelten Korruptionsfall des einstigen Präsidenten Lamine Diack – über Sperre oder Freispruch seiner besten Athleten entscheidet. Kipsang kann und will die Sperre vor dem obersten Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne anfechten.

          Kipsangs Verschwörungtheorie

          „Dies ist nicht mein Ende“, sagte Kipsang auf einer Pressekonferenz am Samstag in Iten. „Vier Jahre sind nur eine Zahl, aber dies ist nicht normal. (Andere) Leute haben jahrelang gedopt und sind vier Jahre gesperrt worden. Ich hatte einen Unfall, musste ins Krankenhaus und wurde dann für vier Jahre gesperrt. Das ist nicht fair. Ich werde sehr bald zurück sein.“ Nach Berichten aus Kenia brach Kipsang die Pressekonferenz ab, weil er emotional übermannt wurde. Der 38-Jährige trainiert nach eigenen Angaben weiter täglich zweimal.

          Kipsang hat die Marathons von London (zweimal), von Berlin, New York und Tokio gewonnen und wurde auf dieser Distanz Dritter der Olympischen Spiele von London 2012. Bei seinem Sieg von Berlin 2013 stellt er den damaligen Weltrekord von 2:03,23 Stunden auf. Seine Bestzeit von 2:03,13, drei Jahre später in Berlin gelaufen (als Zweiter hinter Kenenisa Bekele), ist die sechstbeste Marathon-Zeit der Geschichte.

          „Wie wollen Sie erklären, dass jedes Jahr kenianische Athleten des Dopings oder verpasster Tests beschuldigt werden?“ fragt Kipsang laut der kenianischen Zeitung „The Standard“. „Die Entscheidung zeugt von einer größeren Verschwörung, die dafür sorgen soll, dass kenianische Athleten von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen sind.“

          Laut Kipsang werde das Aiu von Weißen dominiert, die sich mit einigen Offiziellen des Verbandes und der Anti-Doping-Agentur von Kenia verschworen haben. Es sei dringend geboten, das Aiu zu reformieren, um kenianische Athleten vor weiteren Sperren zu bewahren.

          Die prominentesten Doping-Fälle Kenias der jüngsten Zeit sind die Marathon-Olympiasiegerin von Rio 2016, Jemima Sumgong, die Gewinnerin der Marathons von Boston und Chicago, Rita Jeptoo, sowie der 1500-Meter-Olympiasieger von Peking 2008, Asbel Kiprop. Kipsang ist laut der Liste weltweit gesperrter Leichtathleten der aktuelle 56. Fall des Landes.

          Weitere Prozesse

          „Als Athleten sind wir Haupt-Stakeholders, haben aber keinerlei Vertretung im Aiu“, klagt Kipsang. „Dies macht uns anfällig für unfaire, sektiererische und bösartige Entscheidungen.“ Als Präsident der Professional Athletes Association of Kenya (Paak) fordere er deren Mitglieder auf, dies nicht hinzunehmen, sondern bis zum bitteren Ende um Reformen zu kämpfen. „Jeder weiß, dass wir ein schlechtes Verhältnis zu Athletics Kenya haben, was wiederum zu dieser Sperre geführt hat“, fuhr der Läufer fort.

          Es gebe einige Figuren im Verband, die glaubten, sie hätten noch eine Rechnung offen mit ihm, da er Paak als Vertretung für die Sache der Leichtathleten gegründet habe.

          Im August beginnt in Eldoret der Prozess gegen die Marathonläuferin Florence Jepkosgei Chepsoi, die positiv auf das Cortison-Präparat Prednisolon getestet wurde. Sie präsentierte ein Attest, das eine Behandlung mit dem Medikament belegen sollte und sich als gefälscht erwies. Ihr droht eine Gefängnisstrafe.

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