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Doping-Skandal : Kronzeuge belastet Renndirektor

Wer weiß wovon? Tiefgekühlte Blutbeutel, die dem Doping dienten. Bild: Zollfahndungsamt München

Der Dopingskandal um den Erfurter Arzt Mark S. zieht weitere Kreise: Doping-Kronzeuge Johannes Dürr belastet den früheren Renndirektor Markus Gandler. Der „Ironman“ ist derweil erst einmal aus der Schusslinie.

          Der Kronzeuge für Blut-Doping, Johannes Dürr, hat dem früheren Renndirektor für Skilanglauf und Biathlon im Österreichischen Skiverband (ÖSV), Markus Gandler, Mitwisserschaft vorgeworfen. Nach F.A.Z.-Informationen  belastete Dürr Gandler in einem intensiven Gespräch gegenüber Anti-Doping-Ermittlern. „Ich kann diese Aussage nicht dementieren“, sagte ein Zeuge der Unterredung am Donnerstag. [...]

          Christoph Becker
          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der im Februar zurückgetretene Dürr war 2014 des Dopings überführt worden, hatte die Manipulation seines Blutes aber nach Ablauf der Sperre wieder aufgenommen und nach eigener Aussage bis Dezember 2018 fortgesetzt. Zuvor hatte er mit seinen Aussagen in einer ARD-Dokumentation die erfolgreichen Ermittlungen gegen das Doping-Netzwerk des Erfurter Arztes Mark S. ausgelöst. In diesem Zusammenhang hatte Dürr im vergangenen Jahr bei einer „Fuck-up-Night“, auf der Menschen über ihr berufliches Scheitern berichten, gesagt, Mitarbeiter des ÖSV hätten stillschweigend Doping geduldet. Der ÖSV erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen Dürr.

          Gandler bestritt in österreichischen Medien die ihm unterstellte Kenntnis vom Doping seiner Athleten. „Ich weiß nur, dass ich nicht einmal in irgendeiner Form an etwas beteiligt war, immer an das Gute geglaubt habe. Wir haben immer schwarze Schafe dabeigehabt. Österreich ist nicht ,a too small country to do good doping‘, das ist ein country, wo jeder gern den anderen anpetzt.“ Gandler bezog sich mit seinem Hinweis auf das kleine Österreich auf eine Aussage des Verbandspräsidenten Schröcksnadel 2006 während der Winterspiele in Turin. Damals hatte der ÖSV-Präsident behauptet, die Alpenrepublik sei zu klein für gutes Doping. Zuvor hatte eine Doping-Razzia der italienischen Polizei Athleten und Trainer Walter Meyer in die Flucht getrieben. Von Meyer trennte sich der ÖSV, Gandler blieb.

          Nie richtig aufgearbeitet: Markus Gandler war neben ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel (links) schon 2006 in der Verantwortung.

          Nach F.A.Z.-Informationen habe Dürr von einer ungenügenden Aufarbeitung nach 2006 im ÖSV gesprochen. Demnach seien Personen im System geblieben, die von Doping gewusst hätten. Während österreichische Medien fragten, ob ein Trainer an der Spitze der ÖSV-Führungsriege der falsche Mann sei, falls er jahrzehntelang nie etwas von Doping und von Betrug im eigenen Team gewusst, gehört oder gesehen habe, hob Gandler im österreichischen Rundfunk die Hand: „Ich schwöre bei meinem verstorbenen Opa, der mir über alles geht, dass ich nichts Falsches in meinem Leben gemacht habe.“ Gandler war vor seiner Trainer-Karriere im ÖSV Langläufer. 1998 gewann er eine Silbermedaille bei den Winterspielen in Nagano.

          Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft München auf Anfrage erklärt, dass sie mit einem Hinweis auf den Doping-Tatort Hawaii nicht den berühmten „Ironman“ der Triathleten gemeint habe. Stattdessen soll Anlass der Aktivitäten der Gruppe um S. der jährliche Marathon in der Hauptstadt Honolulu gewesen sein.

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