https://www.faz.net/-gu9-10nhe

Dopingkontrollen : IOC: Mängel in Peking nicht gravierend

„Hinweise, dass Epo in vielen Sportarten eingesetzt wird” Bild: dpa

Das IOC sieht die Mängel im Doping-Testsystem während der Spiele in Peking als nicht gravierend an. Auf die Kritik der Unabhängigen Beobachter der Welt-Anti-Doping-Agentur reagiert der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des IOC, Arne Ljungqvist, gelassen. „Kommunikationsprobleme“ sieht er als Grund.

          3 Min.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht die Mängel im Doping-Testsystem während der Spiele in Peking als nicht gravierend an. Auf die Kritik der Unabhängigen Beobachter der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) reagiert der schwedische Professor Arne Ljungqvist gelassen. „Kommunikationsprobleme“ sieht er als Grund für den Kernpunkt der Beschwerden, nämlich das Fehlen von 300 Laborberichten.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Wada-Beobachter hatten bei der Medizinischen Kommission des IOC, deren Chef Ljungqvist ist, nach den Berichten gefragt und den Eindruck gewonnen, dass auch dort die Ergebnisse nicht vollständig eingetroffen seien. Ljungqvist widerspricht: „Für uns war das kein Problem. Wir haben bis Ende August alle Berichte vom Labor in Peking bekommen, aber es ist nicht unsere Aufgabe, sie an die Unabhängigen Beobachter weiterzugeben.“ Es handele sich um zwei verschiedene Berichtssysteme. Ljungqvist ist allerdings gleichzeitig auch Vizepräsident der Wada, des Auftraggebers der Beobachter. Auch das von den Beobachtern vermisste Ergebnis eines mit einem Dopingmittel versehenen Blindtests dürfte sich nach Meinung Ljungqvists unter den fehlenden, seiner Kommission aber vorliegenden Unterlagen befinden. Im Bericht heißt es, das Fehlen des Ergebnisses sei „besorgniserregend“.

          Noch keine Entscheidung über Insulintests

          Zu der Tatsache, dass es mit 102 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) die Hälfte aller Nationen versäumte, der Meldepflicht über den Aufenthalt seiner Athleten nachzukommen, erklärte der ehemalige Leichtathlet aus Schweden, er bedauere, dass es immer noch ein solch großes Informationsdefizit gebe. Da blieben noch viele Wünsche offen. Während der Spiele hätte es aber auch andere Mittel gegeben, die Sportler zu finden, die man außerhalb der Wettkämpfe habe testen wollen, zum Beispiel mit Hilfe der Fachverbände. Die Beobachter-Gruppe hatte erklärt, das Verhalten der NOK habe das Trainings-Kontrollsystem des IOC „unterminiert“. Von einem nicht angetroffenen Sportler wurde allerdings nicht berichtet. „Es ist nicht zufriedenstellend, dass viele NOK nicht die Erfahrung und Kompetenz haben, mit der Meldepflicht zu arbeiten.“

          Zu der Kritik, das Anti-Doping-Labor in Peking habe anders als erwartet nicht auf die aktuelle Modedroge Insulin getestet, sagt Ljungqvist, dass nur wenige Labors diese Technik vollständig beherrschten. Die Kompetenz der Labore werde nicht vom IOC, sondern von der Wada überwacht. „Wir sind zufrieden mit der Variationsbreite der Tests in Peking.“ Ob allerdings bei den angekündigten Nach-Analysen der olympischen Dopingproben auch auf nach Insulin getestet werde, habe das IOC noch nicht entschieden. Weil Insulin im haltbaren Urin nachgewiesen werden kann, habe man damit keine Eile. Heikler sei der Umgang mit den Blutproben, die leicht verderblich seien und oft nur in geringen Mengen zur Verfügung stünden.

          „Je mehr Material man bekommt desto besser“

          Anlass der Nach-Analysen seien zunächst einzig die erfolgreichen neuen Blut-Tests des Labors in Paris lange nach Ende der Tour de France auf das Epo-Präparat Cera gewesen. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass sowohl bei dem Nürtinger Stefan Schumacher als auch beim Italiener Leonardo Piepoli in der A-Probe Spuren von Cera hatten dingfest gemacht werden können. Auch der Tour-Dritte Bernhard Kohl aus Österrreich wurde des Dopings mit Cera überführt. (Siehe auch: Doping: Tour-Dritter Bernhard Kohl des Cera-Missbrauchs überführt). Cera ist auch die einzige Substanz, auf die mit Sicherheit getestet wird. „Für den Moment ja“, sagt Ljungqvist. „Aber die Dinge entwickeln sich schnell. Noch sind die Proben ja noch auf dem Weg von Peking nach Lausanne.“

          Zudem müsse man prüfen, welche Qualität die einzelnen Proben hätten. Die Entscheidung, sie zu öffnen, sei heikel. Man könne die Proben nicht immer wieder teilen: „Je mehr Material man bekommt desto besser, um eine zuverlässige Analyse zu machen.“ Es komme darauf an, in welchem Zustand sie aufgehoben worden seien, ob als vollständiges Blut, als Plasma oder Serum. Dies hänge davon ab, welche Analysen in Peking bereits damit gemacht worden seien. Manche könnten auch schon aufgebraucht oder gar verdorben sein. „Wir müssen abwarten, ob es unangenehme Überraschungen geben kann“, sagt Ljungqvist.

          Epo in vielen anderen Sportarten

          Die Frage, ob es Hinweise gibt, dass Cera auch in anderen Disziplinen als im Radsport benutzt wurde, beantwortet der schwedische Professor nur indirekt. „Es ist eine Form von Erythropoietin, und wir haben Hinweise, dass Epo in vielen anderen Sportarten eingesetzt wird.“ Der Vermutung, dass Cera seit dem ersten positiven Fall bereits im Juli während der Spiele gar nicht mehr benutzt worden sei, widerspricht er. „Ob die Nach-Analysen vergeblich waren, kann ich Ihnen sagen, wenn wir damit fertig sind.“ Schließlich wäre es aber eine gute Nachricht, wenn ein verbotenes Mittel nicht mehr eingesetzt würde.

          Noch hat das IOC auch nicht entschieden, wo die Proben nach-analysiert werden sollen. „Wir wollen den Transport möglichst vermeiden, und uns lieber die nötige Expertise nach Lausanne holen.“ Allerdings hänge man von den Kapazitäten der verschiedenen Labors ab. „Wir wollen es aber so schnell wie möglich haben.“ Nach Schätzung Ljungqvists könnte die Aktion gegen Jahresende beendet werden.

          Den Unabhängigen Beobachtern bescheinigt er gute Arbeit. „Dies ist ein kurzer und guter Bericht, der sagt, dass nichts die Ergebnisse der Kontrollen von Peking ungültig machen würde.“ Er habe schon mehrere solcher Berichte gelesen, und er sei bei der Lektüre absolut nicht alarmiert gewesen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Familie flieht am Samstag auf einem Motorrad aus der Region um die Stadt Ras al Ain.

          Nordsyrien : Kurden räumen Grenzstadt zur Türkei

          Die brüchige Waffenruhe nutzen kurdische Einheiten zum Rückzug aus einer umkämpften Stadt. Außenminister Maas nennt den türkischen Angriff völkerrechtswidrig, und in der Nato schließt unter anderem Deutschland den Bündnisfall aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.