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Doping in der Bundesliga : Wer sind die obersten Vertuscher?

Fußballtrainer Christoph Daum: Schon vor 23 Jahren über den Einsatz von Clentuberol beim VfB geplaudert Bild: Reuters

Die Welt ist schlecht. Aber mindestens genauso vergesslich. Der Hinweis auf den Einsatz von Dopingmitteln beim VfB Stuttgart ist schon fast 23 Jahre alt. Damals hatte Trainer Daum geplaudert.

          Deutschland droht ein großer Doping-Skandal „bisher ungeahnten“ Ausmaßes! So lasen sich am Montag Reaktionen auf eine Nachricht aus Freiburg: In der Bundesliga ist nämlich gedopt worden, mit Anabolika. Sieh an! Und zwar beim VfB Stuttgart. Ach nein, selbst die fleißigen, braven Schwaben. Die Welt ist schlecht. Aber mindestens genauso vergesslich.

          Was aus der Doping-Aufklärungskommission der Freiburger Universität nolens volens am Montag an die Öffentlichkeit getragen wurde, mag aufregend klingen, Empörung hervorrufen und Schlagzeilen produzieren. Aber ist die Entdeckung von Manipulation im Fußball wirklich etwas Neues? Und ist die Behauptung, beim VfB Stuttgart sei in den siebziger und achtziger Jahren mit verbotenem Stoff gearbeitet worden, etwa eine Überraschung? Im Gegenteil. Der Hinweis auf den Einsatz von Beschleunigern bei Kickern aus dem Ländle ist doch schon fast 23 Jahre alt.

          Schon Daum hat es damals ausgeplaudert

          Damals hatte Trainer Christoph Daum freimütig erzählt, verletzte Spieler des VfB würden mit Clenbuterol behandelt, mit jenem anbol wirkenden Kälbermastmittel, das die Sprinterin Katrin Krabbe schneller machte und dann ein für allemal stoppte. Tags darauf ruderten Daum und Klub zurück. Manager Dieter Hoeneß erklärte staatsmännisch, die Vereinsärzte und auch Professor Armin Klümper würden keine verbotenen Mittel verwenden.

          Alle haben das geschluckt. Niemand sah sich gefordert, der Daumschen Wahrheit auf den Grund zu gehen. Dabei lag sie so nahe. Denn es war längst bekannt, dass sich in Freiburg eine Ärzteschaft versammelt hatte, die sich über die Anti-Doping-Regeln hinwegsetzte. Sie genoss dabei angeblich einen starken Rückhalt. Wer also hat Klümper und Konsorten, vor allem in späteren Zeiten den Radsport-Dopern an der Uni Freiburg, den Rücken freigehalten?

          Ist ein Netzwerk erkennbar, das vom Sport, seinen Verbänden über die Kommune über das Land, vielleicht sogar die Baden-Württembergische Staatsanwaltschaft bis hinein in die Bundesregierung reicht? Spätestens im Herbst wird sich zeigen, ob die detaillierte Vorstellung der Inhalte aus 60 Aktenordnern der Staatsanwaltschaft zu Klümpers Wirken 1983/84 in Stuttgart, beim SC Freiburg und im BDR einen deutschen Doping-Filz offenbaren. Dann käme man dem Beweis näher, dass in der Bundesrepublik nicht von einem systemischen, sondern von einem systematischen Doping gesprochen werden müsste.

          Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ist das schon belegt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte diese Zeitung einen Trainingsplan Klümpers für Kaderathleten des BDR in den siebziger Jahren. Zum Versorgungsprogramm gehörte die Lieferung von Doping-Mitteln. Athleten dieser Ära bestätigten den Plan. Der Skandal aber ist vorerst ein anderer: Dass es Jahrzehnte dauern musste, bis Doping-Gegner eine kleine Chance bekommen, ein Stückchen Wahrheit ans Licht zu zerren.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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