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Doping-Vergangenheit im Westen : Innenministerium will Studie veröffentlichen

  • Aktualisiert am

Die Studie „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ soll veröffentlicht werden Bild: dpa

Die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit in der alten Bundesrepublik sorgt weiter für Diskussionen. Immerhin scheint der Veröffentlichung der Studie von Forschern der Berliner Humboldt Universität nichts mehr im Wege zu stehen.

          In der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit im Westen Deutschlands sind weitere Details bekanntgeworden. Unter anderem seien laut einer Studie schon in den 70er-Jahren Anabolika an Minderjährige verabreicht worden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstag).

          Das Blatt bezieht sich auf Ergebnisse der Arbeit einer Forschergruppe der Berliner Humboldt Universität mit dem Titel „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“.

          Deutlich wurde darin, dass systematisches Doping in der Bundesrepublik mit der Gründung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft 1970 begann. Das BISp untersteht bis heute dem Bundesinnenministerium. Mindestens 516 Forschungsvorhaben wurden aufgelistet. Etliche Politiker wussten von Doping und duldeten es zumindest. Kritiker seien kaltgestellt worden.

          Die Quintessenz der Forschungsarbeit ist allerdings länger bekannt. Dass es in der alten Bundesrepublik systematisches Doping gab - wenn auch nicht so ausgeklügelt wie in der DDR -, hatte die Projektgruppe schon vor zwei Jahren festgestellt. Damals hatten die Wissenschaftler unter Leitung von Professor Giselher Spitzer von „staatlich subventionierten Anabolika-Forschungen“ gesprochen.

          „Es wurde nur immer runtergewiegelt dabei“

          Diese seien nach 1970 in Freiburg beim umstrittenen Sportmediziner Joseph Keul „konzentriert“ worden. Auch die fragwürdige Rolle des langjährigen NOK-Vorsitzenden Willi Daume war dokumentiert worden. Zudem hätten die Olympischen Spiele 1976 in Montreal eine Zäsur in der westdeutschen Dopinggeschichte dargestellt.

          „Vieles, was wir heute lesen konnten, ist aber nicht neu“, meinte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper und verwies auf andere Veröffentlichungen von Wissenschaftlern. Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke bewertete die jüngsten Veröffentlichungen als wenig überraschend. „Das ist nichts Neues. Es wurde nur immer runtergewiegelt dabei. Und zwar von allen Gruppierungen“, sagte der Heidelberger Molekularbiologe bei „Sky Sport News HD“.

          Datenschutzrechtliche Bedenken ausgeräumt

          Der Abschlussbericht der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) 2008 initiierten und vom BISp mit rund 525.000 Euro bezuschussten Arbeit ist noch nicht veröffentlicht. Bislang hatten das BISp und der DOSB Datenschutzbedenken als Grund genannt.

          Das scheint sich nun zu ändern. Laut Bundesinnenministerium sind die datenschutzrechtlichen Bedenken ausgeräumt, „so dass einer Veröffentlichung insoweit nichts mehr im Weg steht“, sagte ein Sprecher am Samstag in Berlin auf Anfrage.

          Das Innenministerium, das auch für Sport zuständig ist, habe „großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung und Bewertung der Dopingvergangenheit in beiden Teilen Deutschlands“. Von den Forschungsergebnissen erhoffe man sich einen wichtigen Beitrag, betonte der Sprecher weiter. „Wir sind gespannt auf den Abschlussbericht, den wir in Kürze vom BISp erwarten“, meinte Vesper.

          „Für die Leichtathletik kann ich das fast ausschließen“

          Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, forderte, „dass die Namen der Betroffenen bekanntgegeben werden“. . Im Wege der Aufarbeitung und Transparenz müssten „auch im Westen die Namen veröffentlicht werden, insbesondere von Personen, die noch einen Posten im Sport bekleiden“, sagte er. „Für die Leichtathletik kann ich das fast ausschließen, weil bei uns Anfang der 1990er Jahre ein Generationswechsel vollzogen wurde.“

          Zuletzt waren immer wieder Einzelheiten und Beweise zur Dopinggeschichte im Westen aufgetaucht. Am Dienstag hatten die „Main-Post“ und die „Märkische Oderzeitung“ berichtet, dass das BISp vor den Olympischen Spielen 1972 in München Versuche zur leistungsfördernden Wirkung von Anabolika in Freiburg bezuschusst habe.

          Die Belege wären die ersten offiziellen Dokumente

          Zudem habe es auch mit Steuergeldern unterstützte Forschungen mit 15 Versuchspersonen zur Wirkung von Insulin und Wachstumshormonen gegeben. Dies sei aus Akten im Koblenzer Bundesarchiv hervorgegangen.

          Das Besondere dabei: Die Belege wären die ersten offiziellen Dokumente zur staatlichen Dopingförderung in den 70-er Jahren. In der Studie der Humboldt Universität hatten sich die Forscher auf interne handschriftliche Notizen aus dem BISp gestützt. Ferner lagen ihnen Zeitzeugenberichte vor.

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