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Doping-Vergangenheit : Ausweg aus der Trainer-Falle?

Bild: dpa

Bundestrainer, die aus dem DDR-Sport stammen, wollen eine Erklärung zu ihrer Dopingvergangenheit abgeben. Diese soll künftige Ehrenerklärungen überflüssig machen, Staat und Sport die Weiterbeschäftigung ermöglichen - und womöglich auch Teil eines Lösungsansatzes im Fall Goldmann sein.

          Womöglich schon in dieser Woche wollen Bundestrainer, die aus dem DDR-Sport stammen, eine Erklärung zu ihrer Dopingvergangenheit abgeben. Diese soll künftige Ehrenerklärungen überflüssig machen sowie Staat und Sport die Weiterbeschäftigung ermöglicht. Bei der deutschen Hallen-Meisterschaft der Leichtathleten in Leipzig war zu erfahren, dass zwischen Trainern, Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und Bundesinnenministerium an einer entsprechenden Formel gearbeitet werde. Beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sind sieben ehemalige DDR-Trainer angestellt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Eine Formel als Anfang der Aufarbeitung

          Der Verband liegt im Rechtsstreit mit Werner Goldmann (siehe: Fall Goldmann: Sie wollen reden - aber nicht vor Gericht). Dieser wird von einem ehemaligen Athleten bezichtigt, ihm vor mehr als fünfundzwanzig Jahren Dopingmittel verabreicht zu haben. Goldmann hatte im vergangenen Sommer schriftlich erklärt, dies nie getan zu haben. Der DLV ließ Goldmanns Vertrag als Bundestrainer auslaufen, Goldmann klagt auf Weiterbeschäftigung (siehe: Spezial zum Fall Goldmann: Versagen der Athleten).

          Hallenmeister Ralf Bartels in Leipzig: die Vergangenheit als Damoklesschwert

          DLV-Präsident Clemens Prokop sagte, eine Lösung durch Generalamnestie sei ausgeschlossen. Die Dopingvergangenheit sei nicht ein isoliertes Problem des Ostens, sondern auch eines des Westens. „Von einem Trainer, der gegen Ethik und Regeln verstoßen hat, will ich wissen, wie er zu dem steht, was er getan hat“, sagte Prokop. Herbert Czingon, Leitender Bundestrainer, sagte, um als Trainer im Westen heimlich zu dopen, sei kriminelle Energie notwendig gewesen. Im Osten sei Doping Teil des Dienstes gewesen. Eine Formel ersetze allerdings nicht die Aufarbeitung, sie sei bestenfalls ihr Anfang.

          „Das ist wie ein Damoklesschwert“

          Die Erklärung allein wird im Fall Goldmann eine Lösung nicht ermöglichen, könnte aber vor den Olympischen Winterspielen von Vancouver in einem Jahr für Rechtsfrieden auch in anderen Verbänden sorgen. Goldmann trainiert in Berlin unter anderem den Weltmeisterschafts-Zweiten im Diskuswerfen, Robert Harting.

          Der Kugelstoßer Peter Sack, der eine Petition von zwanzig Athleten zugunsten von Goldmann initiierte, sagte in Leipzig: „Wir Sportler fühlen uns von Goldmann und den anderen Trainern ausreichend informiert. Aber es gab kein Schuldeingeständnis.“ Goldmann äußert sich nicht öffentlich. Ralf Bartels, der deutsche Meister im Kugelstoßen, sagte über die Dopingvergangenheit von DDR-Trainern: „Das ist wie ein Damoklesschwert.“

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