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Doping-Kronzeuge Dürr : Bis zuletzt ein Doper

Festgenommen, kurz darauf wieder freigelassen: Doping-Kronzeuge Johannes Dürr Bild: Picture-Alliance

Zwei Sünder aus Österreich berichten ausführlich über ihre Doping-Karriere und verraten, was sie in Zukunft machen wollen. Beide belasten Kronzeuge Johannes Dürr schwer.

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          Die deutsch-österreichische Doping-Affäre hat auch ironische Wendungen zu bieten. Zwei der gedopten Langläufer, einer mit der Infusionsnadel im Arm ertappt, wollen ein neues Leben beginnen. In der österreichischen „Kronen-Zeitung“ schildern sie das Ende ihres Daseins im steuerfinanzierten Spitzensport und den Anfang ihrer Zukunft: Der Mann mit dem Blutschlauch im Arm peilt, in gewissem Sinne vorbelastet, ein Medizinstudium an. Seinen Kollegen zieht es nach einschlägigen Erfahrungen mit Lug und Betrug – nun ja, zur Polizei.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Doping ist aber kein Kavaliersdelikt mehr. Auch Österreichs Behörden packen zu. Erst die Razzia vor einer guten Woche, dann die Verhaftung des Kronzeugen der Anklage, Johannes Dürr, am Dienstag. Lustig ist das nicht. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck setzte ihn nach kurzer Festsetzung wieder auf freien Fuß. Allerdings mit dem veröffentlichten Hinweis, der 2014 des Dopings überführte Langläufer habe nach Verbüßung seiner Sperre wieder gedopt, bis zuletzt. Bis zuletzt? Sein Rechtsbeistand wollte und konnte die Darstellung gegenüber der F.A.Z. „nicht dementieren“. Es stimmt also. Bis zuletzt an der Nadel etwa zum Zwecke des Eigen-Blut-Dopings? Davon hatte der laut Selbstauskunft geläuterte, von einem Sendungsbewusstsein für ehrlichere Verhältnisse getriebene Dürr bislang gar nichts erzählt. Weil es seine Mission in Frage gestellt hätte?

          „Ich wohne in einem kleinen Dorf, ich spüre, dass ich die Menschen dort enttäuscht habe und mich nun viele von ihnen verachten“: Dominik Baldauf.
          „Ich wohne in einem kleinen Dorf, ich spüre, dass ich die Menschen dort enttäuscht habe und mich nun viele von ihnen verachten“: Dominik Baldauf. : Bild: dpa

          Das Sportlerjahr 2018/19 sollte ihn zurückbringen in die Nationalmannschaft Österreichs, in den Staffel-Wettbewerb der WM von Seefeld. Ein Projekt als Beweis, dass es ein Mann, ein „Berufstätiger“, ohne „Verbandsunterstützung“, frei vom Einfluss der Machtstrukturen nach oben schaffen kann. „Die Frage, warum gerade ihm keine zweite Chance gewährt werden sollte, hörte nie auf“, heißt es in der Projektbeschreibung Dürrs: „Der Traum blieb.“ Allerdings musste er finanziert werden. Und so sammelte Dürr per Crowdfunding im vergangenen Sommer angeblich rund 40.000 Euro ein. „Wir sind überzeugt“, steht auf der Homepage zu lesen: „Gemeinsam mit dir und kräftigem Rückenwind durch die Crowd gelingt uns ein ,Happy End‘ für unser Buch.“

          Für die Staffel-Nominierung reichte es nicht. Dürr wurde in seinem letzten, zweitklassigen Contiental-Rennen am 10. Februar in Palanica 54. mit 4:34 Minuten Rückstand. Ob das Doping-Geständnis für 2018 mit dem Lauf in Campa am 14. Dezember 2018 korrespondiert? Fünfter mit 39,1 Sekunden Rückstand. In Wallung ist vielleicht das Blut der Spender geraten. Sie könnten fühlen, was die Staatsanwaltschaft Innsbruck vermutet und zu Ermittlungen antreibt: einen Sportbetrug. Dürr weist das von sich, er beharrt auf die erbrachte Gegenleistung. Im Angebot waren unter anderem: Eine „signierte Startnummer“ für 60 Euro, eine „Bergtour auf den Großglockner“ (800 Euro), eine „Wohnzimmerlesung“ (5000) und das handsignierte Sportlerbuch (40 Euro), im Februar erschienen. „Der Ausgang des Buches ist offen“, hatte Dürr potentiellen Spendern im Sommer geschrieben. Dabei steckte im Titel schon die wahre Antwort eines notorischen Dopers: „Der Weg zurück“.

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