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Evi Sachenbacher-Stehler : Doping-Sperre drastisch verkürzt

  • Aktualisiert am

Evi Sachenbacher-Stehle ist von sofort an wieder startberechtigt Bild: dpa

Evi Sachenbacher-Stehle darf ab sofort wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Die zweijährige Doping-Sperre der Biathletin wird vom Internationalen Sportgerichtshof Cas drastisch verkürzt.

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          Die zweijährige Dopingsperre von Evi Sachenbacher-Stehle ist um eineinhalb Jahre verkürzt worden. Der Internationale Sportgerichtshof Cas reduzierte die vom Biathlon-Weltverband IBU verhängte Höchststrafe drastisch. Damit könnte die 33-Jährige von sofort an wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Ob die zum Biathlon gewechselte Langlauf-Olympiasiegerin ihre Karriere fortsetzen wird, ist offen. Eine Begründung für die Entscheidung gab der Cas am Freitag zunächst nicht, das komplette Urteil soll nachgereicht werden.

          Bei den Winterspielen in Sotschi war bei Sachenbacher-Stehle nach Platz vier im Massenstart die nur im Wettkampf verbotene Stimulanz Methylhexanamin nachgewiesen worden. Die Bayerin war daraufhin aus dem Olympia-Team ausgeschlossen und später vom Biathlon-Weltverband mit der Höchststrafe von zwei Jahren belegt worden. Erst am 16. Juli fällte das mit unabhängigen Experten besetzte Internationale Hearing Panel der IBU das Urteil.

          Sachenbacher-Stehle glücklich

          Die Biathletin zeigte sich nach dem Urteil „überglücklich“. Nach der drastischen Reduzierung ihrer Dopingsperre möchte sich Evi Sachenbacher-Stehle „bei allen, die an sie geglaubt haben, herzlich bedanken“. Das Ergebnis solle nun in Ruhe bewertet und die Öffentlichkeit „demnächst umfassend über weitere Details des Falles“ informiert werden, heißt es in der Pressemitteilung. Dass seine Mandantin „bereits seit 3 Monaten zu Unrecht eine Strafe absitzt“, erklärte Rechtsanwalt Heinkelein, werde „möglicherweise auch noch juristische Konsequenzen nach sich ziehen“.

          „Wir empfinden es als wichtig, dass der CAS erkennbar Augenmaß bewiesen hat. Das aus unserer Sicht sehr harte Urteil des Biathlon-Weltverbandes wird damit eindeutig relativiert. Dieser Fall zeigt, dass Athletinnen und Athleten auf eine faire Behandlung durch die schnell und effektiv arbeitende Sportgerichtsbarkeit bauen können“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB). „Die IBU respektiert die CAS-Entscheidung“, erklärte Nicole Resch, Generalsekretärin des Biathlon-Weltverbandes.

          Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes, sieht ein mögliches Comeback der Olympiasiegerin von zwei Seiten. „Wir werden ihr als DSV nach diesem Urteil sicher keine Steine in den Weg legen“, sagte der 64-Jährige dem „Münchner Merkur“ (Samstag). Sie müsste sich allerdings mit entsprechenden Leistungen für internationale Aufgaben qualifizieren. „ Das wird sicherlich nicht von heute auf morgen gehen“, meinte Steinle, „Zumal Evi in den vergangenen Monaten bestimmt kein Hochleistungstraining absolviert hat, das für einen Weltcupstart notwendig wäre.“

          IBU respektiert Entscheidung

          Die lange Zeit bis zum Urteilsspruch hatte nicht nur bei Sachenbacher-Stehle Verwunderung ausgelöst. Gegen die Höchststrafe hatte die Sportlerin aus Reit im Winkl vor dem Cas geklagt. „Die IBU respektiert die Cas-Entscheidung“, erklärte Nicole Resch, die Generalsekretärin des Biathlon-Weltverbandes.

          „Mit seinem Urteil teilt das Cas ganz offensichtlich die Einschätzung des Deutschen Skiverbandes, dass es sich im Fall von Evi  Sachenbacher-Stehle nicht um eine bewusste Leistungsmanipulation gehandelt hat. Auch wenn zweifellos ein Verstoß gegen die  Anti-Doping-Richtlinien vorliegt, gehen wir als DSV nach wie vor von  einer Fahrlässigkeit der Athletin aus. Insofern begrüßen wir das Urteil, weil die nun reduzierte Sperre eine klare und gerechtere Differenzierung bei der Beantwortung der Schuldfrage erkennen lässt“, sagte Stefan Schwarzbach, der Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV).

          Sachenbacher-Stehle hatte den positiven Test mit der Einnahme eines verunreinigten Teepulvers erklärt. „Ich habe das unwissentlich genommen“, hatte sie mehrfach betont. Nach dem Cas-Urteil hat die Sportlerin aus Reit im Winkl nun alle Optionen. Sie könnte ihre Karriere beenden oder versuchen, die Rückkehr ins Weltcup-Team zu schaffen.

          Eine Entscheidung darüber wird sie demnächst treffen. Als Doping-Sünderin will sie, das hat sie mehrfach betont, ihre Karriere nicht beenden. „Das soll nicht das letzte Bild von mir sein“, sagte die Skijägerin vor geraumer Zeit. „Es wäre natürlich schön, wenn man noch einmal die Möglichkeit bekommt und die Chance, die sportliche Karriere fortzusetzen“, stellte sie nach der Cas-Anhörung am Dienstag fest.

          Weltcup-Saison beginnt am 30. November

          „Die Entscheidung, ob Evi Sachenbacher-Stehle nach Ablauf der Sperre ihre sportliche Karriere fortsetzt, liegt allein bei der Athletin. Eine Wiederaufnahme in das Fördersystem des DSV ist aufgrund des derzeit stattfindenden Generationenwechsels im Biathlon-Team zwar eher unwahrscheinlich. Aber natürlich hätte Evi die Möglichkeit, sich über sportliche Leistungen wieder für internationale Einsätze zu qualifizieren“, sagte Schwarzbach. Die neue Weltcup-Saison der Biathleten beginnt am 30. November im schwedischen Östersund mit der Mixed-Staffel.

          Vom 3. bis 7. Dezember stehen dann die ersten Einzelrennen auf dem Wettkampfkalender. Für Sachenbacher-Stehle, die während der Sperre nicht an offiziellen Plätzen trainieren durfte, kommen diese Wettkämpfe allerdings viel zu früh. Ein Einstieg im neuen Jahr wäre allerdings möglich. Im DSV hatte der Fall zu Konsequenzen im Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln geführt. So werden seit dem Sommer noch mehr als zuvor spezielle Schulungen mit einer promovierten Ernährungsberaterin für Sportler, Trainer und Betreuer durchgeführt.

          Entscheidung des Cas im Fall Sachenbacher-Stehle

          Im Fall der wegen Dopings zwei Jahre gesperrten Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle hat der Internationale Sportgerichtshof Cas unter anderem entschieden: 

          • Die Dauer der sechsmonatigen Sperre beginnt rückwirkend ab dem 17. Februar 2014.
          • Die zwischen dem 17. Februar 2014 und dem Ende der sechsmonatigen Sperre erlangten Resultate aus Wettkämpfen sind ungültig.
          • Das Urteil ist mit keinen Kosten verbunden, außer den Gerichtsgebühren in Höhe von 1000 Schweizer Franken, die Sachenbacher-Stehle bereits entrichtet hat.
          • Der Biathlon-Weltverband IBU soll Sachenbacher-Stehle 7500 Schweizer Franken für ihre Anwaltskosten und andere Ausgaben im Zusammenhang mit dem Prozess zahlen.
          • Alle weiteren Forderungen sind damit hinfällig.

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