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Doping-Skandal : Du dummer Bub, du blöder Junkie

  • -Aktualisiert am

Langläufer Max Hauke wurde auf frischer Tat beim Eigenblut-Doping erwischt. Bild: EPA

Viele schauderte beim Anblick des kurzzeitig im Netz kursierenden Videos von Max Hauke, der gerade an der Eigenblut-Quelle hängt. Warum nur? Es gab schließlich schon Schlimmeres im Spitzensport.

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          In der vielbeachteten ARD-Dokumentation, die nun leider als wahrscheinlich windigste Doping-Beichte in die Fernsehgeschichte eingehen wird, kommt ein Mann vor, der gar nicht hineinpassen will in dieses ganze scheinheilige Getöse. Einer, dessen Erdung einen in diesem Kontext des Betrugs und Selbstbetrugs fast schon seltsam anmutet: Franz Dürr, der Schmied des niederösterreichischen Dorfs Göstling. Er erzählt, wie stolz sie einst alle auf das Langlauf-Talent seines Sohnes Johannes waren.

          Daraus wurde dann später dieser zu unguter Berühmtheit gelangte Joe, Deckname Lucky Luke, der erst gesagt hat: „Ehrlichkeit ist die Basis jeder menschlichen Beziehung.“ Und der in einem Strudel der Unehrlichkeit geradezu versank. Sein Vater Franz hätte sich, so jedenfalls wirkte es in dem Film, offenbar niemals vorstellen können, dass sein Sohn sich vor lauter Ehrgeiz so vergessen könnte. „Was tust du denn?“, fragte er todtraurig. „Du dummer Bub, was tust du denn?“ Aber sein Bub bleibt er natürlich trotzdem.

          Der Bub hat sich allerdings in einen Blut-Junkie verwandelt, wie es viele gibt unter den Ausdauer-Maschinen des Hochleistungssports. Verwunderlich ist deshalb, wieso es so viele von ihnen schauderte beim Anblick des kurzzeitig im Netz kursierenden Videos von Max Hauke, der gerade an der Eigenblut-Quelle hängt. Was ist denn jetzt daran so ungewöhnlich? Klar: Im Hintergrund sieht man einen Polizisten, und der Doper kann nicht türmen, weil er ja gerade an der Kanüle hängt. Das ist unangenehm. Aber sonst? Nie gehört?

          Es gab schließlich schon Schlimmeres im Spitzensport. Wir sagen nur: Fremd-Urin in einem Kondom im Hinterteil. Oder Penis-Attrappen. Der Phantasie sind da engere Grenzen gesetzt als der Wirklichkeit. Kann natürlich sein, dass den Hochleistern bei Haukes Anblick einmal vor Augen geführt wurde, wie zynisch solcher Umgang mit dem eigenen Körper auf normale Menschen wirken muss, die nicht mit einer so exzeptionellen Leistungsfähigkeit gesegnet sind. Nämlich so lasterhaft wie eine grässlich misslungene Schönheitsoperation.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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