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Doping-Skandal in China : Mas Armee suchte Hilfe

  • -Aktualisiert am

Wang Junxia Bild: dpa

Der Bericht eines Journalisten über die Doping-Praktiken in China schlägt hohe Wellen. Seine Enthüllungen werden vom Brief der Weltrekordhalterin Wang gestützt. Die Ausmaße der Misshandlungen sind erschreckend.

          In China schlagen Enthüllungen über Doping im einstmals legendären Team des Langlauf-Trainers Ma Junren weiter große Wellen. Lange geheim gehaltene Recherchen des Journalisten Zhao Yu und ein Brief der Weltrekordhalterin Wang Junxia wurden jetzt bekannt gemacht und belegen, dass Ma Junren Anfang der neunziger Jahre seine Sportlerinnen misshandelte und ihnen selbst verbotene Substanzen injizierte. Der chinesische Leichtathletik-Verband hat eine Stellungnahme in den nächsten Tagen angekündigt. Eine Untersuchung des Welt-Leichtathletikverbandes könnte zu einer Aberkennung von Medaillen und Rekorden führen.

          Ein Brief von Wang Junxia an den Journalisten Zhao Yu aus dem Jahr 1995 kursierte am Freitag im chinesischen Internet. In dem Brief, der von neun ihrer Teamkolleginnen unterzeichnet ist, schreibt die Läuferin, die Geschichte des Trainings unter Ma Junren sei eine Geschichte von „Blut und Tränen“ gewesen. Der Trainer habe die Läuferinnen über Jahre misshandelt und sie zum Doping gezwungen, „Wenn wir dies enthüllen, sind unsere Gefühle zwiespältig“, schrieb Wang Junxia.

          Besorgt um die Ehre ihres Landes

          Sie seien besorgt um die Ehre ihres Landes und auch um die Medaillen, die sie mit harter Arbeit errungen hätten. Sie wollten aber, dass diese unmenschliche Folter künftigen Sportler-Generationen erspart bliebe. Sie versprach dem Journalisten bei der Aufklärung des Doping-Skandales Unterstützung und bat ihn um Hilfe.

          Doch ihr Brief blieb zunächst ohne Folgen. Als der Journalist Zhao Yu seine Recherche über die Methoden des Trainers Ma Junren im Jahr 1998 in Buchform veröffentlichte, wurde das Kapitel über das Doping von der Zensur gestrichen. Erst jetzt wurden die Enthüllungen freigegeben. Zhao Yu sagte chinesischen Medien, dass die Doping-Praxis im Team der damals als „Mas Armee“ bekannten Läuferinnen weithin bekannt und der Grund dafür gewesen sei, dass Ma Junren aus der Sportszene verschwand. Doch offiziell wurde nie eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet.

          Die chinesische Sportbehörde ließ nur seine Läuferinnen nicht mehr an Wettbewerben teilnehmen. Im Jahr 2009 veröffentlichte der Sportminister Yuan Weiming Memoiren, in denen er erstmals davon sprach, dass Ma Junren und seine Läuferinnen wegen Dopings nicht zu den Olympischen Spielen nach Sidney 2000 geschickt wurden. Wang Junxias geschiedener Ehemann hatte in einem Buch über seine Ex-Frau Trainer Ma auch beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Sie bestritt dies später.

          Die „Beijing News“ schrieb von einem „beschämenden Kapitel in der Geschichte des chinesischen Sports“. Funktionäre hätten die Praktiken des Ma Junren geheim gehalten, und es sei noch nicht einmal klar, ob er jemals zur Verantwortung gezogen werde. Die Webseite Phoenix sprach davon, dass im Namen des Patriotismus das Doping legitimiert worden sei.

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