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Doping-Schäden in China : Mas Methoden, unzensiert

  • -Aktualisiert am

Marschierte für Ma: Yunxia Qu Bild: Picture-Alliance

Schläge gehörten dazu wie Spritzen: Betrug war „allgemeine Einstellung“. Ein bislang unveröffentlichter Bericht des chinesischen Journalisten Zhao Yu deckt auf, was viele vermuteten.

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          In den neunziger Jahren war er der Star-Trainer Chinas. „Mas Armee“ wurden die Läuferinnen des Trainers Ma Junren genannt, die Weltrekorde brachen und Titel holten. Sie gewannen 1993 bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart Goldmedaillen über 1500, 3000 und 10.000 Meter, Wang Yunxia gewann Gold (5000 Meter) und Silber (10.000 Meter) bei Olympia in Atlanta 1996. Außerhalb Chinas kam das damals vielen auffällig vor. Die Frage nach Doping wies der kettenrauchende Trainer immer empört zurück. Nein, er habe seinen Sportlerinnen nur Schildkrötenblut und andere Tinkturen aus Ingredienzen der traditionellen chinesischen Medizin zu trinken gegeben, alles ganz natürlich. Der Rest sei hartes Training gewesen, Marathonlauf und Höhentraining.

          Das dem nicht so war, enthüllt jetzt ein bislang unveröffentlichter Bericht des chinesischen Journalisten und Schriftstellers Zhao Yu, der am Mittwoch im chinesischen Internet heftige Diskussionen ausgelöst hat. Zhao Yu hatte im Jahr 1998 in der Zeitschrift „Chinesische Schriftsteller“ eine Serie von Reportagen über Ma Junren und seine umstrittenen Trainingsmethoden veröffentlicht. Danach soll Ma Junren seine Sportlerinnen auch geschlagen haben. Zensiert wurden damals allerdings die Teile seiner Recherche, die davon sprachen, dass Ma Junren die Sportlerinnen gedopt hatte.

          Jetzt durfte die Recherche Zhao Yus in einer Neuausgabe seiner Werke vollständig veröffentlicht werden. Aus Gesprächen, die Zhao Yu mit Athletinnen geführt hatte, geht hervor, dass der Trainer Ma Junren verbotene Substanzen sogar selbst injizierte. Die befragten Frauen gaben an, dass sich ihre Stimme veränderte und dass sie keine Menstruation mehr bekamen. Ma Junren habe sie eingeschüchtert und gefordert, dass sie ihre Gesundheit der Ehre des Landes zu opfern hätten.

          „Wenn wir nicht dopen, kommen wir nicht weiter“

          Als dann im Jahr 1994 die Doping-Kontrollen schärfer wurden, erklärte Trainer Ma Junren seinen Sportlerinnen, dass er oder der chinesische Sportverband keine Verantwortung für Doping übernehmen würden. Viele der von ihm trainierten Sportlerinnen hätten sich danach vom Leistungssport zurückgezogen.

          Der Journalist Zhao Yu erklärte jetzt in einem Interview, dass das Doping damals nicht nur die Läuferinnen betraf, sondern dass Doping in China in der ganzen Leichtathletik, im Schwimmen, Radsport und Gewichtheben verbreitet war. „Damals war die allgemeine Einstellung der Sportfunktionäre: Wenn wir nicht dopen, kommen wir nicht weiter“, sagt Zhao Yu.

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