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Doping : Riss in der Kette

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Tankbon als Unschuldsbeleg

Die mitunter fünf Jahre alten Unterlagen dieser Affäre wären verstaubt, hätte die Nada nicht über eine private Initiative davon Wind bekommen, reagiert und schließlich Akteneinsicht erhalten. Sie drängte daraufhin den Bund Deutscher Radfahrer, Verfahren gegen die Sportler zu eröffnen. Der ermittelte seit dem späten Sommer 2010. Auch in diesen Fällen forderte dessen Anti-Doping-Kommission eine Bestrafung. Trotzdem stellte das Bundessportschiedsgericht die Verfahren Anfang Januar 2012 ein. Das bestätigte der BDR dieser Zeitung. In einem Fall reichte angeblich eine Tankquittung als Beleg für ausreichende Zweifel. Der Kassenbon soll beweisen, dass sich der befragte Radfahrer am Tag der Mittelvergabe an einem anderen Ort befunden hat.

Entscheidend aber war wieder eine Diskrepanz zwischen staatlichen und sportjuristischen Mitteln: Der Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft weigerte sich, dem BDR zur Verfügung zu stehen. Eine schriftliche Anfrage hat er nie beantwortet. Wieder reichten allein die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft dem BDR nicht aus. Die Athleten gelten nun weiterhin als unschuldig. Die Nada will das in zwei der drei Fälle nicht akzeptieren. „Wir haben in der vergangenen Woche reagiert", sagt Nada-Vorstandsmitglied Mortsiefer. Er hat beim Deutschen Schiedsgericht Klage gegen die Urteile des BDR angemeldet. Dort wird nun geklärt, ob die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft nicht doch reichen, schwer verdächtige Athleten zur Rechenschaft zu ziehen.

„Verbrüderung“ der „Schweinebanden“

Vorab lässt sich schon ein Urteil fällen: Der Frust bei deutschen Doping-Fahndern wächst mit fast jedem Fall. Das belegt auch der Rückzug von angesehenen Experten in den vergangenen Jahren aus der deutschen Anti-Doping-Gemeinschaft. Die gesetzliche Grundlage für Staatsanwälte, auch den Betrügern aus dem Sport das Handwerk zu legen, halten sie für unzureichend.

Deshalb plädiert die bayerische Justizministerin Beate Merk seit drei Jahren dafür, den Straftatbestand Sportbetrug einzuführen. Insider erhoffen sich davon, „Schweinebanden", die eine „Verbrüderung" an den Tag legen, wenn es zur Sache geht, leichter aushebeln zu können. „Wir haben das doch erlebt", sagt ein Ermittler über seine Erfahrung mit der Befragung von Sportlern als Zeugen in eindeutigen Dopingfällen: „Plötzlich haben alle große Erinnerungslücken. Das war es dann."

Robert Deller, Oberstaatsanwalt in Aachen, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er erinnert sich an einen Fall aus den neunziger Jahren, „in dem es deutliche Hinweise auf Dopingvergehen von zahlreichen involvierten Radsportlern gab". Auch sie konnten im Rahmen der Ermittlungen lediglich als Zeugen vernommen werden. Keiner wurde rechtlich belangt. Deller ist sicher, dass er bei einer anderen Gesetzeslage zu einem anderen Ergebnis gekommen wäre. „Grundsätzlich ist die Situation heute nicht entscheidend besser als zum Zeitpunkt der damaligen Ermittlungen", sagt Deller mit Blick auf die Novellierungen des Arzneimittelgesetzes: „Wenn man Doping ernsthaft bekämpfen will, gehören entsprechende Vorgaben in das Strafrecht."

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