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Doping-Prozess : Neuland für Strafrichter

Damals in Frankreich: Schumacher trägt Gelb im Juli 2008 Bild: dpa

Stefan Schumacher wird der Prozess gemacht. Stefan Schumacher? Richtig, das ist der fast in Vergessenheit geratene Radprofi. Ein Präzedenzfall für die deutsche Justiz - endlich.

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          Die trauen sich was, die Strafrichter des Stuttgarter Oberlandesgerichts. Einen Strafprozess gegen einen von den Sportverbänden wegen Dopings bestraften Profi, das gab es in Deutschland noch nicht. Der Beschluss, gegen Radprofi Stefan Schumacher wegen Betrugs zu verhandeln, ist juristisches Neuland. Bisher galt hierzulande: Was im Sport passiert, bleibt im Sport.

          Vereinzelte Versuche, staatliche Strafverfolger auf verdächtige Sportskameraden anzusetzen, endeten bislang eher unbefriedigend. Beispiel Jan Ullrich: Nachdem die spanischen Ermittlungen nahelegten, der frühere Tour-Sieger sei Doping-Kunde bei Doktor Fuentes, übernahmen die Bonner Staatsanwälte. Ullrich hatte schließlich, wie auch Kollege Schumacher, seinem Arbeitgeber versichert, die geforderten Leistungen astrein und keinesfalls gedopt zu erbringen. Die Ermittlungen endeten mit der staatsanwaltlichen Feststellung, Ullrich habe gedopt. Und Ullrich darf seither seine Unschuld behaupten. Alles klar? Die Einstellung des Verfahrens nach §153a der Strafprozessordnung machte es möglich.

          Diesen Weg hätten im Fall Schumacher auch die Stuttgarter Ermittler nehmen können. Sie gingen ihn nicht. Sondern setzten ihre Überzeugung gegen die Ansicht des Landgerichts beim Oberlandesgericht durch. So viel Kondition verdient Beifall. Endlich ein Präzedenzfall in dem die ein oder andere Frage geklärt werden könnte, die nicht nur im Radsport seit etlichen Jahren im Raum steht.

          Betrügen Sportler ihren Arbeitgeber tatsächlich, wenn sie, illegal auf Vordermann gebracht, ihrem Beruf nachgehen? Anders gefragt: Durfte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer davon ausgehen, dass sein Fahrer Schumacher die Tour 2008 sauber bestritt? Jüngst sagte Holczer, nun Chef bei Katjuscha in Russland, die Gerolsteiner-Fälle hätten ihm die Augen geöffnet. Doping dürfe nicht sein, aber man müsse sich damit arrangieren. Ist das tatsächlich eine ganz neue Einsicht?

          Darüber hinaus könnte ein Strafprozess auch die Rechtswirksamkeit der Dopingprobenpraxis auf den Prüfstand stellen. Schumacher hat Cera-Doping stets bestritten. Kommen richterliche Zweifel an den Analysen auf, würde die Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Wada-Reglements zusätzlich befeuert. Was das alles soll, Jahre später ein Prozess gegen einen fast vergessenen Radfahrer? Zur Erinnerung: Schumacher galt als Medaillenkandidat fürs Straßenrennen in Peking, sollte in Ullrichs olympische Fußstapfen treten. Genug Stoff für einen spannenden Prozess. Gut, dass es ihn gibt.

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