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Doping-Opfer-Hilfe : „Wir müssen weiter nerven“

Klare Meinung: Michael Lehner, hier im Dezember 2018 Bild: dpa

Weit mehr als 1000 Anträge von Dopingopfern auf finanzielle Entschädigung liegen beim Bundesverwaltungsamt. Doch das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz soll Ende des Jahres auslaufen. Dagegen mehrt sich Widerstand.

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          „Sie haben ein Umdenken in Deutschland auf den Weg gebracht“, lobte Roland Jahn. Von der Haltung „Selbst schuld, die wollten ja schneller rennen und höher springen“ habe die Doping-Opfer-Hilfe (DOH) in zwanzig Jahren engagierter Arbeit der Öffentlichkeit das System offenkundig gemacht. Staatsplanthema 14.25, das bedeute, dass Doping in der DDR von Staats wegen angeordnet war, dass Funktionäre und Ärzte Sportlerinnen und Sportler missbrauchten. „Die Botschafter im Trainingsanzug“, rief der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in seiner Laudatio am Dienstagabend in Berlin, „waren Botschafter des Unrechtsstaates.“ Hilfe und Entschädigung für sie zu befristen sei nicht akzeptabel.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Jahn meinte damit das zweite Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz, nach dem Geschädigte mit 10.500 Euro unterstützt werden und das am Ende des Jahres auslaufen soll. Weit mehr als tausend Anträge sind beim Bundesverwaltungsamt eingegangen. Michael Lehner, der Vorsitzende der DOH, forderte ebenfalls, die Frist aufzuheben und Hilfe zu leisten, solange sie gebraucht werde. Darüber hinaus kämpfe sein Verein vor Gericht für die Opferrente; Sportlerinnen und Sportler seien in einem Zwangssystem Opfer von Willkür geworden.

          Lehner bat das Publikum um Beifall für das abwesende Ehepaar Brigitte Berendonk und Werner Franke, die 1991 das Buch „Doping-Dokumente“ veröffentlichten. Franke initiierte mit Strafanzeigen die Prozesse gegen die Verantwortlichen des Staats-Dopings und regte die Gründung der DOH vor zwanzig Jahren an. Franke hat sich inzwischen gegen die Doping-Opfer-Hilfe gewandt.

          Die Schriftstellerin Ines Geipel, wegen heftiger Angriffe einer Gruppe um den 79 Jahre alten Wissenschaftler vom Vorsitz der DOH zurückgetreten, wurde am Dienstag zu deren Ehrenvorsitzender gewählt. „Wir sind ausgelastet“, sagte Lehner über die Tätigkeit des Vereins. Immer noch meldeten sich rund dreißig Geschädigte pro Monat. Allein in diesem Jahr ließen sich bisher hundert Betroffene beraten.

          Mit Unterstützung des Staates und des Deutschen Olympischen Sportbundes beschäftigt die DOH dafür in einer eigenen Geschäftsstelle in Berlin eine Sozialarbeiterin. Von den vermutlich 15.000 gedopten Athleten des DDR-Sports hätten 1300 bis 1400 Anträge auf Entschädigung gestellt. „Wir müssen nerven, und wir werden weiter nerven“, sagte Lehner. Er erinnerte den Sportausschuss des Deutschen Bundestages daran, dass er in einer Anhörung Anfang des Jahres den Bedarf wissenschaftlicher Forschung insbesondere zu Schädigungen der zweiten Generation festgestellt habe. Davon sei leider nichts zu hören.

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