https://www.faz.net/-gu9-78lce

Doping-Opfer-Hilfe : Aufklärung und Entschädigung

Die ehemalige Sportlerin und heutige Schriftstellerin Ines Geipel: „Wer war wer in der DDR“ Bild: dpa

Der Verein Doping-Opfer-Hilfe will in Eliteschulen des Sports über Dopingfolgen aufklären und spricht sich dafür aus, geschädigte Sportler mit einer monatlichen Rente zu unterstützen.

          Die Opfer des Dopings im DDR-Sport wollen deutlich machen, dass ihr Anliegen keines von gestern ist. Das spricht aus allen Initiativen, welche die neue Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), die Schriftstellerin Ines Geipel, am Montag in Räumen der Stiftung Aufarbeitung in Berlin vorstellte. Der Verein wird sich endlich, vor allem mit Porträts, im Internet vorstellen. Er fordert von Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), endlich die Erfahrung der Dopingopfer für die Prävention zu nutzen und ihnen den Weg in die Eliteschulen des Sports zu eröffnen, wie er das vor Jahren versprochen habe. Und sie richten eine Telefon-Hotline ein für Betroffene, auch für solche, die heute dopen und aussteigen wollen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Von trauriger Aktualität ist das Leid der Dopingopfer. Einige sind schwer geschädigt und können sich dringend benötigte Therapien nicht leisten. Der Verein unterstützt die Initiative der Grünen im Bundestag, etwa dreihundert Härtefälle mit einer monatlichen Rente von 200 Euro zu unterstützen; politisch Verfolgte erhalten 250. Mit den Dopingprozessen vor dreizehn Jahren endete die Aufarbeitung, sagte Ines Geipel. „Das einschlägig vorbelastete Personal konnte zurückrudern in seine alten Positionen.“

          Franke-Archiv künftig bei Robert-Havemann-Stiftung

          Die Vernehmungs- und Prozessprotokolle von damals sowie kistenweise Unterlagen zu Doping in Deutschland Ost und West sowie in Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten stellt der Dopingbekämpfer Werner Franke der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin zur Verfügung. Der Stiftung Aufarbeitung seien sie zu heikel gewesen, sagte er. Es bestehe die Gefahr, dass etwa die Fernsehmoderatorin und Schwimm-Olympiasiegerin Kristin Otto unter Berufung auf das Persönlichkeitsrecht Unterlagen konfiszieren lasse. Franke berief sich auf sein Recht als Wissenschaftler: „Ich schaffe Wissen und publiziere es.“ Um die Unterlagen zugänglich zu erhalten, habe er Doppel aller Unterlagen der Lyndon-Johnson-Bibliothek für Zeitgeschichte in Austin (Texas) übergeben.

          Ines Geipel forderte die Stiftung Aufarbeitung auf, sich von dem Publizisten Volker Kluge und seinem Werk zu trennen. Die Datenbank „Wer war wer in der DDR“ enthält Biografien von mehr als hundert DDR-Sportlern, -Trainern und -Funktionären, die Kluge verfasst hat. Gegen das von diesem entworfene Bild von Andreas Krieger, der vor einer Geschlechtsumwandlung als DDR-Sportlerin Heidi Krieger Europameisterin im Kugelstoßen wurde, wolle der Verein juristisch vorgehen, kündigte Ines Geipel an; sie sei unstatthaft. Kluge, früher Sportchef der FDJ-Zeitung „Junge Welt“ und Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, sei Ideologe. Der fragliche Text war an diesem Montag nicht auf der Website der Stiftung zu finden.

          Weitere Themen

          Arsenal bei Özil-Comeback düpiert

          Premier League : Arsenal bei Özil-Comeback düpiert

          Mesut Özil erlebt eine enttäuschende Rückkehr auf den Platz für den FC Arsenal. Gegen den Tabellenletzten liegen die „Gunners“ eigentlich sicher in Führung. Doch dann gelingt gar nichts mehr.

          Roglic stürmt auf den Radsport-Gipfel

          Sieg bei Vuelta : Roglic stürmt auf den Radsport-Gipfel

          Der frühere Skispringer Roglic fährt seinen größten Triumph auf dem Fahrrad ein. Trotz vieler Attacken ist er in Spanien nicht zu bezwingen. Sein Team wird auch ein ernster Tour-de-France-Anwärter.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Christian Pirkner, Chef des Bezahldienstes Blue Code

          Angriff auf Google Pay : „Ich liebe unmögliche Missionen“

          Bisher zahlt kaum jemand mit dem Smartphone. Doch der Unternehmer Christian Pirkner will dem mobilen Bezahlen in Europa zum Durchbruch verhelfen – und legt sich dabei sogar mit Google und Apple an.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.