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Doping : Lebenslänglich?

Zwei Jahre, vier Jahre, lebenslänglich? Immer mehr Athleten wollen nicht mehr gegen ehemalige Doper antreten Bild: dpa

Viele Athleten wollen nicht mehr gegen ehemalige Doper antreten, fordern lebenslange Sperren. Juristisch ist dies nicht durchsetzbar. Doch sind zwei Jahre genug? Molekularbiologe Franke fordert „für satte Doper“ eine vierjährige Sperre.

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          Michael Eder

          Sportredakteur.

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          Belinda Granger: „Es ist eine Schande, dass wir in unserem Sport Doping-Betrüger mit offenen Armen empfangen. Ich mache jetzt seit über 20 Jahren Triathlon, und es macht mich krank zu sehen, wie gute, ehrliche und hart arbeitende Athleten ihrer Lebensgrundlage beraubt werden.“

          Drei prominente Triathleten, drei Stimmen von vielen, die sich in den vergangenen Wochen entsetzt über eine Kollegin, Lisa Hütthaler, geäußert haben, die zuletzt die Ironman-70.3-Rennen auf Mallorca und in St. Pölten gewann. Hütthaler ist 29 Jahre alt, Österreicherin und hat eine Vergangenheit als Extremdoperin hinter sich. 2008 wurde sie überführt. Sie räumte die Einnahme von Epo und Wachstumshormon ein, außerdem gestand sie, Bluttransfusionen bekommen zu haben. Beim Testosteron, dessen Einnahme sie zunächst auch zugegeben hatte, soll es sich um ein Placebo gehandelt haben, wie ihre Dealer später vor Gericht angaben. Hütthaler wurde, weil sie Hintermänner wie den Sportmanager Stefan Matschiner nannte, nur für 18 Monate gesperrt. 2009 verurteilte sie ein österreichisches Zivilgericht zu drei Monaten Haft auf Bewährung, weil sie nach ihrer positiven A-Probe versucht hatte, eine Mitarbeiterin des Anti-Doping-Labors mit 20 000 Euro zu bestechen, sie sollte ihre B-Probe manipulieren. 2011 stand Hütthaler noch einmal vor Gericht, weil sie Restbestände ihres Doping-Sortiments (Epo und Dynepo) an andere Athleten weitergegeben hatte. Die Richter sprachen sie schuldig, beließen es aber wiederum bei einer Bewährungsstrafe. Hütthaler erklärte 2009 ihren Rücktritt vom Sport, bestritt aber schon 2010 wieder erste Rennen.

          Lisa Hütthaler: Die Rückkehr der Extrem-Doperin erschüttert den Triathlon-Sport

          Jetzt, im Frühsommer 2013, ist sie stärker denn je. Und ein rotes Tuch für die Konkurrenz. „Keine Doper in unseren Rennen“ heißt eine Facebook-Seite, auf der sich wie in vielen Triathlon-Foren der Widerstand regt. Tenor: Wir wollen keine überführten Doper mehr am Start haben! Einer der Wortführer ist der Bad Tölzer Triathlontrainer Jo Spindler. Mit der Ablehnung ehemals gedopter Athleten, sagt er, würden Athleten klarmachen, dass sie noch an einen sauberen Sport glaubten und ihn verteidigten. Alle Sportverbände und Anti-Doping-Organisationen, so seine Forderung, sollten ihren Kampf gegen Doping an dieser Haltung ausrichten. Zeitlich befristete Sperren müssten abgeschafft werden. Jeder positive Doping-Befund sollte sofort zu einer lebenslangen Sperre führen. Dieser Meinung sind auch immer mehr Topathleten. Nadine Kleinert zählt dazu, die Magdeburger Kugelstoß-Europameisterin, auch Diskus-Olympiasieger Robert Harting, auch die Radprofis Tony Martin, John Degenkolb und Marcel Kittel.

          Lebenslänglich bei Erstvergehen? Schwierig. Rechtlich käme das für Profis einem Berufsverbot gleich und hat somit juristisch keine Chance auf Durchsetzbarkeit. Schon 1996 hatte das Oberlandesgericht München im Fall Katrin Krabbe entschieden, dass eine mehr als zweijährige Sperre das Grundrecht auf Berufsfreiheit beeinträchtige, was der Sprinterin, die für drei Jahre gesperrt worden war, 1,2 Millionen Mark Schadensersatz brachte. Was bedeutet diese Entscheidung 17 Jahre später? „An unserer Verfassung hat sich nichts geändert“, sagt Michael Lehner, der Heidelberger Sportrechtler, der schon viele Dopingangeklagte verteidigt hat. „Man muss auch im Fall Hütthaler akzeptieren, dass sie nach geltendem Recht ihre Strafe abgesessen hat und wieder zurück ist. Es fehlt jede Rechtsgrundlage, da noch etwas draufzupacken. Es gibt Menschenrechte, die eine zweite Chance ermöglichen, es gibt das Prinzip der Resozialisierung. Wenn ich mit dem Strafhammer auf ein Problem losgehe, löse ich es nicht.“

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