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Doping-Kommentar : Rette sich, wer kann!

Asafa Powell ist drauf und dran, seinen Hauptsponsor zu verlieren Bild: AFP

In der Leichtathletik werden Sündenböcke gesucht, gefunden und weitergereicht. Verantwortung? Der Sturm um die positiven Doping-Proben legt die Mechanismen des Geschäfts bloß, sie sind sichtbar wie selten.

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          Asafa Powell ist zurück auf Jamaika. Der Olympiasieger, in dessen Blut im Juni das Blutdruckstimulans Oxilofrin bei einer Doping-Probe gefunden wurde, soll seine Lage mit seinen Anwälten beraten. Powell ist das ruhige Zentrum des heftigen Sturms, den die Doping-Fälle über die Karibikinsel und die Leichtathletik gebracht haben. Um Powell und die ebenfalls positiv getestete Sherone Simpson herum tobt das „blame game“, werden Sündenböcke gesucht, gefunden und weitergereicht. Verantwortung? Rette sich, wer kann! Der Sturm legt die Mechanismen des Geschäfts bloß, sie sind sichtbar wie selten.

          Da sind Powell und Simpson. Positiv getestet, aber unschuldig. Vorsätzliches Doping? Sie doch nicht. Da ist Stephen Francis, Cheftrainer ihres Klubs MVP in Kingston. MVP steht für Maximising Velocity and Power, und tatsächlich war der kräftige Francis enorm schnell, alle Schuld an den Doping-Fällen seiner Athleten von sich zu weisen. Schuld habe Manager Paul Doyle, der habe einen Quacksalber angeschleppt, von dem ein erfahrener Mann wie Francis sofort abgeraten habe. Klar.

          Und Doyle? Gibt den Schwarzen Peter an den Physiotherapeuten weiter, einen Mann aus Toronto namens Christopher Xuereb. Der Physio war’s also? Nein. Denn erstens verwende er nur saubere Markenware, ließ Xuereb inzwischen wissen. Und zweitens ist er gar kein Physiotherapeut, jedenfalls kein in seiner Heimat Ontario beim Verband der Physiotherapeuten zugelassener. Er sei dem Team Powell-Simpson nur als Masseur empfohlen worden, als kurzfristige Hilfe gegen eine hartnäckige Zerrung gesucht wurde, und nur unter Hinweis darauf, dass Xuereb „absolut keine Titel oder Zeugnisse“ habe. Das bestätigte der kanadische Leichtathletikverband auf Anfrage der F.A.Z.

          Xuereb, offenbar also Heiler kraft eigener Bestimmung, darf den Athleten alsbald dennoch mit Helferlein und Mittelchen auf die Sprünge helfen. Alles sauber, Ehrenwort. Xuereb wurde übrigens im Juli 2010 aus der Praxis von Dr. Anthony Galea in Toronto entlassen, behauptete aber noch länger dort beschäftigt zu sein. Galeas Methoden waren bei Sportmillionären wie Tiger Woods und Alex Rodriguez so beliebt, dass er für sie 2009 in den Vereinigten Staaten nicht zugelassene Kälberblutextrat Actovegin über die Grenze schmuggeln ließ und dafür zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Aber was heißt waren? Powell ließ sich von Galea vergangenes Jahr vor Olympia in London thrombozytenreiches Plasma zur Wundheilung verabreichen, bestätigt Galeas Anwalt in einem Telefonat.

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          Nun ist Powell drauf und dran, seinen Hauptsponsor zu verlieren. Der chinesische Sportartikler Li Ning setzt den Vertrag aus, trotz des „großen Respekts“ für Powells „Bemühungen und harte Arbeit“ in den vergangenen Jahren. Der deutsche Konkurrent Puma bleibt dem jamaikanischen Leichtathletikverband als Hauptsponsor dagegen vertrauensvoll treu. Dessen Präsident Warren Blake will sich zum Verdacht gegen seine Athleten erst äußern, wenn das Ergebnis der B-Proben da ist. Ob Blake die Verantwortung übernimmt, wenn es wie erwartet ausfällt?

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