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Doping-Kommentar : Positiv

  • -Aktualisiert am

Glückliche Kühe, glückliche Sportler: Was im Allgäu passen könnte, geht in Mexiko definitiv nicht auf Bild: dpa

Mexikos Clenbuterolfälle zeigen: Sauberer Sport kostet - die meisten Gesellschaften sind nicht bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Quittung für die Zurückhaltung wird kommen.

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          Auf nach Mexiko? Das könnte Dopern so passen. Pressen sich daheim das illegale Kälbermastmittel Clenbuterol zur Leistungssteigerung in den Leib, fahren nach Mexiko und verweisen nach einem positiven Dopingtest auf die Speisekarte: Steaks von morgens bis abends.

          Nein, dafür wird es auch in Zukunft keinen Freispruch vor den Sportgerichten geben. Sie werden es nach der Studie des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) zwar schwerer haben, Clenbuterol-Fälle en passant abzustempeln. Aber es wird nicht unmöglich sein. Nur die langfristige Einnahme ist im Sinne einer anabolen Wirkung sinnvoll. Wer also nach einem Wettkampf in Mexiko oder nach einem Trainingsaufenthalt zurückkehrt und behauptet, kurzfristig im Restaurant vergiftet worden zu sein, könnte dank einer kleinen Haarspalterei trotzdem überführt werden. In den Spitzen lässt sich der Hinweis finden, ob jemand gerade eben (in Mexiko) oder schon vor längerer Zeit Clenbuterol eingenommen hat.

          Die Sorge, die Untersuchung der Fifa hebele nun den Kampf gegen Doping aus und eröffne Dopern ein Paradies, ist völlig unbegründet. Im Gegenteil. Die Ergebnisse führen zwangsläufig zu einer Qualitätssteigerung. Denn die Fifa zwingt die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) nun, genauer hinzuschauen. Die Frage ist nur, ob die Institution dazu in der Lage ist. Wie fast alle Nationale Antidoping-Agenturen ist auch die Wada nicht gerade auf Rosen gebettet. Die Mitarbeiterzahl ist begrenzt, die Finanzierung kaum ausreichend, um Phänomene wie die in Mexiko oder demnächst in anderen Ländern aufzudecken. Das hängt mit der nach wie vor erschreckenden Heuchelei in den Gesellschaften auf unserem Globus zusammen.

          Sie wollen, welcher politischen Couleur auch immer, nur sauberen Sport, sind aber nicht bereit, dafür einen angemessenen Beitrag zu leisten. Politik, Wirtschaft, selbst die Sportverbände zieren sich, wenn sie einen halbwegs angemessenen Reinheitsbeitrag zahlen sollen. Die Quittung für die Zurückhaltung wird kommen. Denn trotz der Entwicklung in den vergangenen Jahren ist weder das hochgelobte deutsche und schon gar nicht das weltweite Antidoping-System schon professionell genug. Die Insider wissen das und sind nicht sicher, ob ihre Konstruktion hält, falls Interessengemeinschaften einmal vor ordentlichen Gerichten alles in Frage stellen.

          Etwa das peinlich genaue Meldesystem für Athleten, die teilweise drei Monate im Voraus auf den Tag angeben müssen, wo sie zu einer bestimmten Stunde erreichbar sein müssen. Vielleicht ist das sogar der beste Weg, Sicherheit zu bekommen. So muss man auch die Initiative der Fifa bewerten. Selbst wenn nun einige Doper durchs Netz schlüpfen. Es gibt nichts Schlimmers, als zu falschen positiven Tests zu kommen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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