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Doping-Kommentar : Kein Einsatz, Herr Kommissar!

  • -Aktualisiert am

Anabolika-Händler und Konsorten müssen auf der Hut sein - der Kommissar geht um Bild: REUTERS

Das Gesetz zur Doping-Bekämpfung hat sich bewährt. Das ist sehr erfreulich. Aber was ändert dieser kräftige Zugriff des Staates für die Lance Armstrongs der Republik? Nicht viel. Ohne eine Verschärfung bleibt der Spielraum für Doper unangetastet.

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          Jetzt geht es Dopern an den Kragen. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Deutschland. Das behaupten jedenfalls das Bundesinnenministerium und das Gesundheitsministerium. Auf 53 Seiten kriegt es der Steuerzahler schwarz auf weiß: Das Gesetz zur „Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport“ vom 1. November 2007 habe sich demnach nicht nur bewährt, es habe auch zu einer erheblichen Verbesserung der Effektivität der Strafverfolgung geführt. Zum Beleg wird angeführt, dass die Zahl der Ermittlungsverfahren innerhalb von fünf Jahren von 280 auf 1600 (2011) hochgeschnellt sei. Anabolika-Händler und Konsorten müssen auf der Hut sein. Der Kommissar geht um.

          Diese Ergebnisse sind sehr erfreulich. Denn peu à peu wird damit auch endlich deutlich, welches Ausmaß die lebensgefährliche Einnahme von Starkmachern in der Gesellschaft eingenommen hat. Der Gutachter der Bundesregierung vermutet, dass die Doping-Kriminalität das Ausmaß des Drogenhandels erreicht hat. Seit Jahren warnen Kenner der Fitness- und Breitensportszene vor der Entwicklung eines neuen Volkssports: Pillenschlucken für Körper, Geist und Wettbewerb.

          Auf diesem Gebiet dürfte die empfohlene Erweiterung von bislang lediglich zwei Schwerpunktstaatsanwaltschaften „Doping“ in der Republik den Banden und kriminellen Dealern gewaltig zusetzen. Chapeau. Aber was ändert dieser kräftige Zugriff des Staates für das Leben und Täuschen der angeblichen Vorbilder des Spitzensports, für die Lance Armstrongs der Republik? Nicht viel. Denn das Gesetz zur Doping-Bekämpfung mag zwar expressis verbis auf den gesamten Sport gerichtet sein. In Wirklichkeit aber klammert er die Stars der Arena aus.

          Oder treten Doper im Leistungssport als Dealer in Erscheinung? Das aber wäre die Voraussetzung für eine Verurteilung. Denn der Besitz von hartem Stoff zum Eigenbedarf ist straffrei. Selbstversorger haben vom Staat nichts zu fürchten. Da mögen Experten an der Spitze der Bekämpfung, zum Beispiel Staatsanwälte mit großer Ermittlungserfahrung aus Süd wie West, noch so vehement und hartnäckig auf ihre stumpfen Waffen hinweisen.

          An die Athleten kommen wir kaum ran

          Die Regierung bleibt hart, unter anderem, weil Doping-Mittel teilweise gute Arzneien sind: „Eine mengenunabhängige Pönalisierung des Besitzes dieser Arzneimittel würde (...) betroffene Patienten in die Situation versetzen, ihr legales Verhalten zu beweisen“, heißt es im Prüfbericht. Als ließen sich Schwerkranke, die Erythropoietin (Epo) brauchen, nicht leicht von Marathon-Männern mit dem Epo-Beschleuniger im Gepäck unterscheiden.

          Die Aufklärungsquote im deutschen Spitzensport ist mit Hilfe des Gesetzes kaum gestiegen. Der Sport will seine unsauberen Kameraden trotzdem weiterhin ohne Einmischung der Staatsgewalt selbständig aus dem Verkehr ziehen. Dabei könnte die Vernetzung der Nationalen Anti-Doping-Agentur mit Staatsanwaltschaften sicherlich helfen. Aber ohne eine Verschärfung des Gesetzes bleibt der Spielraum für Doper unangetastet. Engagierte Staatsanwälte werden bei ihrer Sicht bleiben: An die Athleten kommen wir kaum ran. Und der Sport will das so.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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