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Kein Doping-Kampfbegriff : Generalverdacht steckt im System

  • -Aktualisiert am

Die Eisschnelllauf-Arena der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang Bild: dpa

Wird ein Sportler des Dopings überführt, fällt schnell der Blick auf die anderen. Wer von euch war auch dabei? Dass Athleten von diesem Generalverdacht bislang nur wenig zu befürchten hatten, ist jedoch gut so.

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          So ein Generalverdacht ist fies. Einer hat was gemacht, alle aus einer definierten Gruppe geraten ins Visier. Es ist verständlich, dass sich deutsche Eisschnellläufer und Ehemalige nicht wohl fühlen in diesen Tagen und sich unangenehmen Fragen stellen müssen: Wer war denn der Doper unter euch?

          Die Veröffentlichung eines Falles ohne Namensnennung hat den Anti-Doping-Kampf vorerst nicht weitergebracht, sondern (selbsterklärte) saubere Athleten und Fahnder aufgebracht. Die Beweisführung für einen zurückliegenden Fall, der zum Beispiel wegen des Karriereendes keine Gelegenheit mehr bietet für eine Zielkontrolle bei einem Ahnungslosen, fällt äußerst schwer. Vielleicht wird der Delinquent nie überführt.

          Im Rechtsstaat muss der Einzelfall bewiesen werden

          Bliebe die Klage über den Generalverdacht. Er steckt schon im Kontrollsystem. Ohne ihn wäre es niemals zur Entwicklung des umstrittenen Überprüfungsapparates gekommen. Die meisten Athleten nehmen das grenzwertige Prozedere hin, als wäre es eine Sicherheitskontrolle am Flughafen oder ein Alkohol-Test im Straßenverkehr. Wir sind alle verdächtiger, als wir glauben. Aber wir können gut damit leben, falls der Verdacht keine Grundlage hat. Da mögen andere verdächtigen, wie sie wollen, auch mal mit abwinkender Handbewegung ein „alle voll Stoff“ hinter einer Gruppe Radler herrufen.

          Im Rechtsstaat muss der Einzelfall bewiesen werden. Erst dann wird es ernsthaft unangenehm. Abgesehen von dem (begründeten) Rückzug von Sponsoren aus dem Profi-Radsport, hatten Athleten in Deutschland wenig zu befürchten vom Generalverdacht. Der Profisport ist en vogue wie nie zuvor. Zuschauerzahlen fallen nicht etwa angesichts der fortgesetzten Enthüllungen über Manipulationen, sie steigen eher. Der Generalverdacht ist über den Status eines schlechten Gefühls nicht hinausgekommen.

          Das ist gut so. Denn vor nicht langer Zeit diente er als Schlagwort selbsternannter Anti-Doping-Kämpfer unter Spitzenfunktionären. Nach der Entlarvung der „Selbstreinigungskraft des Sports“ und der „Nulltoleranz“ als weitgehend inhaltsleere Kampfbegriffe wurde der „Generalverdacht“ von der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes in Stellung gebracht gegen die Einführung einer strafrechtlichen Verfolgung dopender Athleten in diesem Land: Wo wir denn hinkämen, wenn der Staatsanwalt in der Turnhalle auftauchte? Zur Begrenzung des Generalverdachts. Das belegt die Enttarnung der Erfurter Doping-Zelle.

          Sie kann, nehmen Politiker und Sportpolitiker diese Entwicklung ernst, der Anfang einer Anti-Doping-Arbeit von ganz neuer Qualität sein. Vorausgesetzt, alle Mittel werden eingesetzt. Wie nötig das sein wird, lässt sich am Fall des Erfurter Doping-Doktors ablesen. Er drängt schon lange vor seinem Abschluss die nächste Frage mit Generalverdachtscharakter auf: Wenn Mark S. die zweite Reihe bediente, wer versorgt dann die erste?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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