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Doping-Kommentar : Fühlt euch nicht sicher!

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Niederschmetternd: der Fall Schumacher zeigt, dass sich die Dopingbekämpfer mit notorischen Wiederholungstätern auseinandersetzen müssen Bild: AFP

Die sechs mit nachträglichen Tests des Dopings bei Olympia überführten Sportler, unter ihnen Stefan Schumacher, sind möglicherweise nur die ersten, denen noch die Manipulation nachgewiesen wird. Doch die Fälle zeigen auch: Die Doper sind da. Und es sind immer noch viel mehr, als man erwischt.

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          Sechs Siebengescheite sind gescheitert: Sie dachten schlau, sie hätten ein Dopingmittel gefunden, das ihnen nicht nachgewiesen werden kann. Aber dem Internationalen Olympischen Komitee gelang es schließlich doch. Eine starke Botschaft geht von diesem Ergebnis aus: Fühlt euch nicht sicher, ihr Doper! Wer sich in Peking heimlich dem betrügerischen Hang zur Pille und Ampulle ergab, ist acht Monate später noch lange nicht am Ziel. Bis 2016, wenn die Proben der Sommerspiele 2008 endgültig ihre Aussagekraft verlieren, können noch neue Fälle ans Licht kommen. Wer seine Medaille unrechtmäßig gewonnen hat, sollte sie vorsorglich in der Schatulle lassen. Vielleicht muss er sie eines Tages zurückgeben.

          Die Abschreckung ist die Message, sagt das IOC, aber das ist längst nicht alles. Ein ganzes Gewirr von Botschaften geht von diesem olympischen Nachbeben aus, das auch den deutschen Sport noch einmal kräftig schüttelt. Der Fall des Stefan Schumacher zeigt wieder einmal, mit welchen Leuten sich die Dopingbekämpfer im Spitzensport auseinandersetzen müssen: Notorischen Wiederholungstätern, hartnäckigen Leugnern und spezialisierten Systematikern, die kein Unrechtsbewusstsein spüren (siehe: Gedopt in Peking: Olympisches Nachbeben).

          Wild zum Doping entschlossen

          All die Verdachtsmomente, die Nähe am Abgrund, das nur mit knapper Not Entkommensein bei der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart, haben den wild zum Doping entschlossenen Schwaben und seine Entourage nicht bremsen können. Solche Verhaltensweisen sind eigentlich nur denkbar, wenn jemand die pharmakologische Leistungsbeeinflussung für völlig normal hält – und positive Tests und andere Indizien nur für lästige Pannen, die man mit ein bisschen juristischem Flickzeug aus der Praxis des Fachanwalts schon wieder in Ordnung bringen kann.

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          Und schließlich kann sich auch der einstige Gerolsteiner Profi-Radrennstall nicht mehr reinwaschen. Zwar geriet der ehemalige Teamchef Michael Holczer angesichts der neuen Dopingfälle bei Fahrern aus seinem einstigen Paradestall wieder in seinen rituellen Schockzustand. Aber die Pose als vorbildlicher Dopingbekämpfer, der von der Schlechtigkeit der Welt immer wieder überrascht wird, steht dem Pädagogen nicht mehr. Nach dem Stimulans-Fall Hondo, nach dem Cera-Fall Bernhard Kohl, nach den vielfältigen Episoden von Stefan Schumacher und der olympischen Bloßstellung von Davide Rebellin sollte er eigentlich nicht mehr öffentlich staunen über die Bösewichte aus dem eigenen Nest. Man kann die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen: Die Doper sind da. Und es sind immer noch viel mehr, als man erwischt.

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