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Doping-Prozess in Innsbruck : Johannes Dürr zu Bewährungsstrafe verurteilt

  • Aktualisiert am

Der frühere Langläufer Johannes Dürr beim Prozess in Innsbruck Bild: dpa

Doping: Ja! Doping-Vermittlung: Nein!: Beim Prozess gegen den früheren Langläufer legt Dürr ein Teilgeständnis ab. Das Gericht verurteilt ihn zu 15 Monaten auf Bewährung.

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          Der ehemalige Langläufer Johannes Dürr ist am Montag wegen Dopings vom Landgericht Innsbruck zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Dem 32 Jahre alten Österreicher wurde neben dem eigenen Blut-Doping auch vorgeworfen, zum Doping anderer Sportler beigetragen zu haben. Letzteres sah das Gericht aber nur teilweise als erwiesen an. Das Urteil ist rechtskräftig, da beide Seiten auf weitere Rechtsmittel verzichteten.

          Dürr hatte zuvor seine Sicht auf den Sport noch einmal im Gerichtssaal wiederholt: „Ohne Doping geht es nicht, ganz vorne mitzulaufen.“ Was er vor rund einem Jahr der ARD erzählte, löste die Ermittlungen aus, die schließlich zur „Operation Aderlass“ führten. Zu den Razzien während der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld und Innsbruck, zur Festnahme des Erfurter Sportarztes Dr. Mark S. und seiner Entourage, zu dessen Anklage durch die Staatsanwaltschaft München. Zu den Urteilen gegen eine Reihe österreichischer Sportler, die Kunden von S. waren und die sich teilgeständig gezeigt hatten. Teilgeständig wie Dürr am Montag, als ihm das Landgericht Innsbruck den Prozess machte wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen schweren Sportbetrugs.

          Er habe zu Erythropoetin (Epo) und Wachstumshormonen gegriffen, sagte Dürr. Er habe mit Walter Mayer, dem österreichischen Coach, Sportlicher Leiter des Teams des Österreichischen Ski-Verbandes, das bei der Doping-Razzia bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin aufflog, zusammengearbeitet. Mayer soll im Februar der Prozess gemacht werden. Vermittler zwischen Dr. S., der in München in Untersuchungshaft sitzt, und anderen Langläufern aus Österreich, wie diese es ausgesagt hatten, will Dürr aber nicht gewesen sein.

          Welche Rolle spielte Dürr im Doping-Netzwerk?

          Dürrs ehemaliger Coach Gerald Heigl, ebenfalls angeklagt am Montag, zeigte sich geständig, Dürr und dessen Teamkollegen Harald Wurm mit Wachstumshormonen versorgt und zum Doping vermittelt zu haben. Er belastete zudem den deutschen Arzt Dr. Ulrich H., der nach 2006 für den ÖSV tätig war. Heigl bestritt, Trainingspläne der zu jeweils fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilten früheren Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke auf deren Eigenblut-Doping abgestimmt haben.

          Anfang 2019 hatte die ARD die Dokumentation ausgestrahlt, in der Dürr sein Blut-Doping zugab und die gleichen Methoden von Teamkollegen andeutete. Die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft veranlasste Ermittlungen, die Razzien wurden ein spektakulärer Fahndungserfolg.

          Dürr war erstmals bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 aufgeflogen. Er wird gesperrt, lässt sich anschließend wieder Blut abnehmen. Es wird in Erfurt eingelagert. „Ich hab mein Leben lang nichts anderes gekannt als Spitzensport, jeden Tag den Körper daran zu bringen, ans Leistungsmaximum zu gelangen. Von einem Tag auf den anderen war diese Welt erledigt. Ich war verhasst in dieser Welt, und das wollte ich einfach nicht akzeptieren“, sagte Dürr. Bis hierhin ist Dürr geständig. Dass er zwischen 2015 und 2018 eine der wichtigsten Personen im vermuteten Netzwerk des Dr. S. war, bestreitet er. Es habe Pläne gegeben, das Geschäft des Arztes zu übernehmen, Blut selbst einzulagern. Er habe auch mit einem Bekannten in Slowenien Sim-Karten für die Doping-Kommunikation organisiert.

          Die früheren Teamkollegen Baldauf und Hauke habe er jedoch nicht an S. vermittelt. Auch als Weiterverkäufer von Wachstumshormonen oder als derjenige, der anderen die Nadel für eine Rückführung setzt, sei er nicht aktiv gewesen. Baldauf dagegen sagte am Montag aus, Dürr habe ihm die Telefonnummer des Dr. S., laut Baldauf von den Sportlern nur „der Deutsche“ genannt, gegeben. Ein Zeuge erklärte, Dürr habe bei ihm eine Blutrückführung durchgeführt. S. hatte zudem laut der Richterin in seinen Vernehmungen erklärt, dass Dürr auch nach seiner Beichte in der ARD noch einmal einen Blutbeutel angefordert hatte, was Dürr bestreitet.

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