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Doping-Skandal : IOC vertagt Entscheidung über Russlands Olympia-Aus

Noch keine Entscheidung zu Russland und Olympia 2016: IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: AFP

Das IOC wartet mit seinem Urteil über den möglichen Ausschluss russischer Sportler von den Spielen in Rio wegen Staatsdopings. Dafür beschließt es einige vorläufige Sanktionen.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird erst gegen Ende der Woche über einen möglichen Ausschluss der russischen Mannschaft von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro entscheiden. Nach einer telefonischen Exekutivsitzung am Dienstag erklärte die Organisation, sie wolle erst die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) abwarten, der über den Ausschluss der russischen Leichtathleten durch den Weltverband IAAF urteilen wird. Diese Entscheidung ist für Donnerstag angekündigt.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Sitzung folgte der Veröffentlichung eines von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Auftrag gegebenen Reports, der staatlich gelenktes Doping in Russland und gezielten Betrug während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi belegte. „In Bezug auf die Teilnahme russischer Athleten bei den Olympischen Spielen Rio 2016, wird das IOC den Report sorgfältig auswerten“, heißt es in einer Stellungnahme. „Es wird die rechtlichen Optionen prüfen mit Blick auf eine kollektive Sperre aller russischen Athleten ... gegen das Recht auf individuelle Gerechtigkeit.“

          Die IOC-Exekutive unter Vorsitz des Präsidenten Thomas Bach beschloss allerdings andere, vorläufige Maßnahmen gegen Russland. So dürfen weder Offizielle des russischen Sportministeriums noch andere im Report der Wada erwähnten Personen zu den Olympischen Spielen nach Rio reisen. Zudem werde das IOC keine Sportveranstaltungen in Russland organisieren. Dies schließe auch die Europa-Spiele 2019 ein. Die Weltverbände der Wintersportarten werden aufgefordert, alle Vorbereitungen zu Großereignissen in Russland auf Eis zu legen und aktiv nach alternativen Veranstaltern zu suchen. Alle Weltverbände werden aufgefordert, auf der Grundlage des Berichts eigene Untersuchungen gegen Athleten aus den russischen Verbänden anzustrengen.

          Außerdem wurde beschlossen, Nachanalysen sämtlicher Dopingproben aller russischen Athleten, die 2014 an den Winterspielen in Sotschi teilgenommen hatten, vorzunehmen. Die Untersuchung dieser Fälle werde auch die Trainer, Betreuer und Funktionäre einschließen. Die damit befasste Kommission wird vom Schweizer Juristen und IOC-Mitglied Denis Oswald geleitet. Die Kommission soll die Grundlagen für Sanktionen liefern.

          Um die sportjuristischen Verfahren gegen die in dem vom Kanadier Richard McLaren verfassten Bericht zu beschleunigen, so gab das IOC bekannt, habe es eine fünfköpfige Disziplinarkommission bestellt. Sie soll die Vorwürfe untersuchen und entsprechende Befragungen vornehmen. Vorsitzender der Kommission ist der Franzose Guy Canivet, Vizepräsident der IOC-Ethik-Kommission und früheres Mitglied des französischen Verfassungsgerichts.

          Das IOC betonte noch einmal, dass bereits der Olympische Gipfel im Juni in Lausanne beschlossen habe, die Unschuldsvermutung gegenüber russischen Athleten aufzuheben. Jeder Athlet, der in Rio starten will, müsse demnach anlässlich einer Überprüfung durch seinen Weltverband belegen, dass er eine ausreichende Zeit lang einem seriösen Testsystem unterworfen gewesen sei.

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          Außerdem erklärte die Exekutive, dass ein vom Olympischen Gipfel beschlossenes, speziell auf russische Athleten abgezieltes Testprogramm bereits angelaufen sei. Da russische Behörden wie das Sportministerium und seine untergebenen Behörden für das IOC juristisch nicht erreichbar sind, sollen die Ergebnisse der IOC-Untersuchungen an die Unesco und die Wada weitergegeben werden.

          IOC-Präsident Thomas Bach hatte am Montag nach der Vorlage des Untersuchungsberichts von Wada-Chefermittler Richard McLaren erklärt, das IOC werde die „härtest möglichen Sanktionen“ verhängen. Die Wada hatte dem IOC und dem paralympischen Komitee IPC bereits am Montag empfohlen, einen Komplettausschluss der russischen Sportler von Olympia und den Paralympics zu prüfen. Der McLaren-Bericht wirft Russland jahrelanges Doping unter staatlicher Federführung vor. Betroffen sind neben den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 auch die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und die Schwimm-WM 2015 in Kasan.

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