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Doping in Russlands Fußball : „Es hat ein Vertuschungssystem gegeben“

Richard McLaren: „Es gibt noch 155 Proben, die nicht analysiert wurden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat sie beschlagnahmt.“ Bild: Reuters

Der gesamte russische WM-Kader könnte Teil eines staatlichen Dopingprogramms gewesen sein. Wada-Ermittler McLaren erhebt nun in einem Interview schwere Vorwürfe.

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          Richard McLaren, Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zum institutionalisierten russischen Doping-System, hat in einem Interview eine erheblich höhere Zahl verdächtiger Proben russischer Fußballspieler genannt als bisher bekannt. McLaren sagte der ARD, die Wada habe 155 verdächtige Proben russischer Fußballspieler beschlagnahmt. „Diese Proben wurden der Fifa überstellt“, sagte McLaren und behauptete: „Eine Überprüfung wird wahrscheinlich eine von zwei Möglichkeiten ergeben: Entweder an den Verschlüssen wurde manipuliert, der Inhalt wurde ausgetauscht. Oder der Inhalt wurde nicht ausgetauscht und in der Probe sind verbotene Mittel.“

          Auf die konkrete Nachfrage dieser Zeitung, wie viele verdächtige russische Proben derzeit untersucht werden, antwortete der Internationale Fußballverband (Fifa) am Mittwoch nicht. Es liege im Interesse der Fifa, dass die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der Wada erfolge, so schnell wie möglich abgeschlossen werde, schrieb ein Fifa-Sprecher, da man bis dahin nicht in der Lage sei, weitere Details mitzuteilen. Demnach bleibt auch unklar, ob ein weiterer brisanter Verdacht McLarens zutrifft.

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          Seine Untersuchung habe ein Doping-Vertuschungssystem aufgedeckt. Er gehe davon aus, dass es im russischen Fußball ein weitere „Bank“ mit sauberen Proben gegeben habe, die außerhalb eines Anti-Doping-Labors betrieben worden sein könnte. „Nach den Informationen, die uns vorliegen, muss es im Fußball ein anderes System gegeben haben neben jenem, über das wir berichtet haben“, sagt McLaren. McLaren hat im vergangenen Jahr mit seinen Ermittlungen belegt, dass Proben gedopter russischer Sportler in zahlreichen Sportarten gegen saubere Proben ausgetauscht wurden und dass dieses Verfahren auch bei den Winterspielen von Sotschi eingesetzt wurde.

          Die Erkenntnisse basieren auch auf den Aussagen des Kronzeugen Gregorij Rodschenkow, der angibt, bei der Manipulation mit dem Geheimdienst FSB zusammengearbeitet zu haben. Er hat das Anti-Doping-Labor in Moskau und die Zweigstelle in Sotschi während der Olympischen Spiele 2014 geleitet. Am vergangenen Sonntag hatte die britische Zeitung „Mail on Sunday“ berichtet, der gesamte Nationalmannschaftskader Russlands, der zur WM 2014 nach Brasilien entsandt wurde, sei Teil eines solchen Programms gewesen, darüber hinaus elf weitere Spieler.

          Während russische Funktionäre von einer Erfindung sprachen, hatte die Wada dieser Zeitung die Untersuchung bestätigt. Demnach sind die Fußballspieler unter den mehr als 1000 russischen Spitzensportlern, die von dem Manipulationssystem profitiert haben könnten. Man warte „sehnlich“ auf ein Ergebnis der Untersuchung der Proben russischer Spieler durch die Fifa.

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