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Zukunft des Sports : Prima Klima für Doper

  • -Aktualisiert am

Folgen des Doping-Skandals? Wladimir Putin und die Russen müssen womöglich auf Namen, Fähnchen und Hymne bei Olympia verzichten. Bild: Reuters

Doping als lohnende Investition: Selbst die Manipulation durch russischen Staat und Sport, frech verleugnet, hat keine größere Folgen. Es gibt in der Welt des Spitzensports in dieser Hinsicht keinen Klimawandel. Leider.

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          Es gibt keinen Klimawandel. Nicht mal ein Tauwetter, das alles offen legt. Bevor dem geneigten Umweltschützer hier der Kamm schwillt. In diesen Zeilen steht nicht die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten im Mittelpunkt, nur die des Sports. Denn so darf es nicht weitergehen. Wird es aber: das Doping als lohnende Investition. Selbst die Manipulation durch russischen Staat und Sport, frech verleugnet bis in diese Weihnachtszeit, hat keine größere Folgen. Putins Machtapparat, der noch vor einem Jahr Kontrolldaten in Hülle und Fülle manipulierte, zieht vor das internationale Sportschiedsgericht. Im schlimmsten Fall müsste die Auswahl des Präsidenten bei den Sommerspielen in Tokio auf Namen, Fähnchen und Hymne verzichten. Das wäre ja schrecklich.

          Wie einträglich das Geschäft mit der verbotenen Leistungssteigerung ist, hat Oberstaatsanwalt Gräber dieser Tage in der Anklageschrift gegen den Erfurter Arzt Mark S. und seine Bande zusammengetragen. 145 Einzeltaten werden dem Blutpanscher-Ensemble zur Last gelegt. Dass der Doktor aus der Radsportszene kam, vor Gericht in einem Dopingstreit unglaubwürdig wirkte, während er gleichzeitig sein Doping-Netzwerk in verschiedenen Sportarten über alle namhaften Wettbewerbe hinaus spann, gehört - nein, nicht zu den Ausnahmen der Sportgeschichte.

          Es ist der Klassiker; so wie der Rückzug des früheren Radprofis Bassons aus der Anti-Doping-Agentur Frankreichs. Der Franzose ist frustriert, weil der Kampf immer komplexer werde und die Erfolgschance sinke. Er will sich privat der Prävention widmen, der Aufklärung junger Athleten. Bringt mehr, sagt Bassons, als die Jagd. Seit Jahren klagt der Heidelberger Pädagoge Treutlein über die Vernachlässigung der Prävention in diesem Land. Schon sind wir wieder beim Klimawandel.

          Die erwachsene Sportwelt verlockt die Jugend, sich in den Sport zu verlieben, seine Werte zu leben, ihm alles unter zu ordnen. Im selben Moment präsentiert sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres eine Laudatorin mit einer dokumentierten Doping-Vergangenheit. Oder setzt dem Nachwuchs Trainer vor die Nase, die als Athleten alles schluckten, aber bis heute beredt schweigen oder das Ausmaß leugnen. Es gibt keinen Klimawandel. Leider.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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