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Doping : Die nächsten Enthüllungen warten schon

Was kommt noch alles ans Licht aus der Doping-Vergangenheit? Bild: AFP

Gerade wurde der entlarvende Report über die Doping-Vergangenheit des Radsports rund um Lance Armstrong und den Weltverband veröffentlicht. Für diesen Mittwoch sind weitere schlechte Neuigkeiten angekündigt.

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          Hein Verbruggen, einst mächtiger Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), könnte auch seine beiden letzten Ehrenämter im Sport verlieren. Der aktuelle UCI-Präsident Brian Cookson sagte nach der Veröffentlichung des entlarvenden Reports über die Doping-Vergangenheit des Radsports vom Montag, er werde ihm schreiben und ihn „bitten, seine Position als Ehrenpräsident zu überdenken“.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          In dem Bericht einer unabhängigen Kommission wird unter anderem detailliert beschrieben, wie unter Verbruggens Präsidentschaft (1994 bis 2001) die UCI den dominanten Amerikaner Lance Armstrong vor Angriffen und positiven Proben schützte. „Ich bin sehr besorgt über das, was ich in dem Report über Heins Aktivitäten gelesen habe“, sagte Cookson der britischen Zeitung „Guardian“. Er habe serienweise Fehleinschätzungen gemacht und Fehlentscheidungen getroffen.

          Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) könnte sich mit dem Status seines Ehrenmitglieds Verbruggen befassen – der 73 Jahre alte Niederländer stand in der Gunst des früheren Präsidenten Jacques Rogge, aber nicht von dessen Nachfolger Thomas Bach. Die Ethik-Kommission könnte den Fall behandeln – sie ist schon bei sportferneren Vergehen aktiv geworden.

          So wurde 2013 die Mitgliedschaft des ehemaligen Fechters Pal Schmitt geprüft, der wegen Plagiaten in seiner Doktorarbeit als ungarischer Staatspräsident hatte zurücktreten müssen. Schmitt blieb im IOC, erhielt aber einen Verweis und wird freiwillig in keiner Kommission mehr mitarbeiten. Joao Havelange, der ehemalige Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, beendete 2011 ein Verfahren wegen erwiesener Korruption vorzeitig durch seinen Rücktritt als IOC-Ehrenmitglied.

          Bei den großen Institutionen ist der Bericht der „Cycling Independent Reform Commission“ (Circ) auf Zustimmung gestoßen. „Wir vertrauen darauf, dass die UCI unter der Präsidentschaft von Brian Cookson Schritte ergreift, die noch über die Empfehlungen des Berichts hinausgehen“, sagte Ugur Erdener, Chef der Medizinischen Kommission des IOC. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) will den Bericht detailliert prüfen. Generaldirektor David Howman sagte, besonders die Versäumnisse der UCI, Medizinische Ausnahmegenehmigungen effektiv einzusetzen, würden untersucht.

          „Der Report macht deutlich“, sagte Howman, „dass die UCI unter der früheren Führung den Schutz des heldenhaften Images des Radsports und seiner Stars wie Lance Armstrong über den Schutz sauberer Rennfahrer und die Werbung für sauberen Sport stellte.“ Der Report beschreibt allerdings auch lange Phasen, in denen Doping Leistungszuwächse von zehn bis 15 Prozent brachte, Radprofis also dazu gezwungen waren und es im Peloton kaum jemanden gab, den man davor hätte schützen können.

          Hohe Geldstrafen bei Doping-Fällen?

          Für diesen Mittwoch hat die dänische Anti-Doping-Agentur weitere Enthüllungen angekündigt. Der ehemalige Rennfahrer Jörg Jaksche wird dabei sein, wenn der neue Report vorgelegt wird. Den Circ-Bericht begrüßt der einstige Doping-Kronzeuge, der von der Szene weitgehend geächtet wurde, ganz besonders. Endlich sei von „offizieller Seite“ ein „Sittengemälde“ des Radsports gezeichnet worden, sagte er der dpa.

          „Als ich diese Praktiken geschildert hatte, hieß es oft: Was kann man denn diesem enttäuschten Radprofi glauben.“ Jaksche studiert heute Sportmanagement in Innsbruck. Er schlägt vor, künftig bei Doping-Fällen von den Verantwortlichen der Teams hohe Geldstrafen zu fordern. Eine halbe Million Euro hält er für angemessen.

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